In zwei Schritten zu mehr Disziplin

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Während wir als Angestellte oder auch Studenten zumeist täglich oder zumindest wöchentlich eine Struktur auferlegt bekommen und dieser mehr oder minder erfolgreich folgen und hierdurch bis zu einem gewissen Maß gezwungen werden diszipliniert zu sein. So fällt es den meisten von uns – mich eingeschlossen – sehr schwer sich im alltäglichen Leben außerhalb der auferlegten Verpflichtungen zu disziplinieren.

Das Ergebnis sind unnötige Pfunde auf der Hüfte (gefolgt von Bluthochdruck, Diabetes und Co), dreckiges Geschirr in Spüle, unerledigter Papierkram und viele andere kleine Monster, die wir im Schrank und unter dem Bett verstecken und zwanghaft versuchen bloß nicht darüber nachzudenken.

Es ist schwer sich zu motivieren und zu disziplinieren, wenn man keine Struktur auferlegt bekommt – das ist völlig normal und das ergeht auch mir so. Es gab genug Tage in meinem Leben, die ich einfach nur mit dem Futtern und Serien schauen auf der Couch verbracht habe. Auch ich habe einen ganzen Stapel unerledigten Papierkram herumliegen. Doch ich bin über die Jahre mit meiner Disziplin besser geworden – sie wurde stärker. Das spiegelt sich sowohl in meinem beruflichen, als auch im privaten Leben wieder. Das kam nicht von ungefähr, sondern durch Training meiner selbst.

Diese Art von Training – jede Art von Training – sollte man in meinen Augen nicht mit Hauruck-Methoden angehen, sondern mit Köpfchen. Es bringt einem nichts 4 Wochen nichts zu erledigen und dann 8 Stunden am Stück an seinem Papierkram zu sitzen, bis man aus den Augen zu bluten beginnt, alles hasst, völlig entnervt ist, seinen Hund anfaucht und sich einfach nur in Fötusstellung unter der Decke verkriechen will. Damit ist keinem geholfen. Damit bringt man sich nicht bei, langfristig disziplinierter zu werden.

Ich empfehle es Projekte wie körperliche Fitness, Finanzen, aber auch das Training der eigenen Disziplin strategisch und mit einem langfristigen Horizont anzugehen und sich nicht mit diversen unsinnigen Crashdiäten ins Unglück zu stürzen.

Grob gesagt arbeite ich mit zwei Konzepten, um meine Disziplin nach und nach zu stärken:
I. Einerseits ist mir über die letzten Jahre bewusst geworden, dass ich in meinem Inneren oft ein verdammt fauler, fetter roter Kater bin, der auf der Fensterbank liegt und auf das nächste Schmecki seines Untergebenen wartet. Und ja, ich weiß, wir alle würden uns viel lieber als die Könige der Savanne sehen und auch so fühlen – mir geht es da nicht anders.
II. Andererseits habe ich durch das jahrelange Krafttraining und meine Arbeit in der Klinik und der Forschung verinnerlicht, dass Veränderungen ihre Zeit benötigen. Am schnellsten kommt man oft nicht mit wenigen großen Schritten, sondern mit vielen kleinen voran.

Wie ich mich die meiste Zeit gerne sehen würde.
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Wie mein Inneres zumeist wirklich aussieht.
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Basierend auf diesen zwei Erkenntnissen – Fat Cat Lifestyle und slow, but steady to the moon – gehe ich in meinem Alltag wie folgt vor:

1. Status quo erfassen und Splitting anwenden
Ich erstelle eine Liste mit all den Dingen – den kleinen Monstern, die ich absolut nicht machen will und die ich ganz tief im Schrank oder unter dem Bett versteckt habe. Ich weiß, dass sie da sind, auch wenn ich sie nicht sehe und das kann unterbewusst einen ganz schön belasten. Auch das muss man sich erstmal einzugestehen lernen.

Wenn eine Aufgabe unter 10 Minuten zum Erledigen braucht, belasse ich sie als ganzes, ansonsten splitte ich sie in sog. Chunks weiter auf.

Beispiele: 
I. Ungern gesehene Aufgabe: Wohnung putzen.
→ Unterteilung in
Aufräumen von Wohnzimmer, Gang, Schlafzimmer, Küche, Bad und Toilette.
Staubsaugen von …
Wischen von …

II. Ungern gesehene Aufgabe: Papierstapel auf meinem Schreibtisch.
→ Unterteilung in Zeitblöcke à 10-20 Minuten.



Beim Putzen gehe ich dann häufig so vor, dass ich noch nicht mal alle Zimmer auf einmal staubsauge, sondern stattdessen beispielsweise am Montag das Wohnzimmer, den Gang und die Küche und am Dienstag den Rest. Wenn ich Urlaub habe, kann es auch sein, dass ich einen Teil am Vormittag erledige und den Rest am Abend.

Beim ungeliebten Papierstapel habe ich oft keinen Überblick mehr darüber, was mich erwartet, weshalb ich mich Zeitblöcken bediene. Deshalb setze ich mich einfach hin, sage Siri, dass sie einen Wecker in 15 Minuten stellen soll und mache solange weiter, bis sich mein Smartphone meldet.

Anmerkung: Ich bin faul und habe oft kein Bock auf den ganzen Alltagsmist – insbesondere nicht nach einer 60+ Woche in der Klinik, also suche ich mir Wege, um mir das ganze zu erleichtern. Mit der oben genannten Methode komme ich mit winzig kleinen Schritten ziemlich schnell voran. Man glaubt gar nicht, wie schnell der riesige Papierstapel vom Tisch und aus den Gedanken verschwindet, wenn man sich “nur” 10 Minuten täglich oder 3x/ Woche dran setzt.

2. Konditionierung mittels Belohnungen
Weil ich so tierisch faul bin und oft echt kein Bock habe mich mit dem Zeug auseinanderzusetzen, arbeite ich zusätzlich mit Belohnungen. Das muss nichts großes sein und sollte es in meinen Augen auch nicht, aber nach jedem erledigten Block, belohne ich mich. Dabei plane ich die Belohnung stets im voraus und limitiere diese klar.

Das heutige Beispiel sah wie folgt aus:
Aufgabe: Retourniere zwei Pakete
Belohnung: Kaffee bei meinem Lieblingscafé in der Stadt. Übrigens, wenn ihr mal in Würzburg sein solltet, müsst ihr unbedingt zu Martinelli! Sie machen einen wahnsinnig schmackhaften Kaffee und das Essen ist wirklich ein Traum.

Aufgabe: Staubsauge Gang, Wohn- und Schlafzimmer
Belohnung: 30 Minuten Hörbuch hören beim Spazierengehen in der Sonne.

🎧Aktuelle höre ich übrigens diese zwei Bücher im Wechsel: Das Hindernis ist der Weg von Ryan Holiday und Shoe Dog: Die offizielle Biografie des NIKE-Gründers von Phil Knight 

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Die Kopplung aus dem Splitting großer unbeliebter Aufgaben in kleine Chunks mit einer darauffolgenden klar definierten und im voraus geplanten Belohnung brachte für mich den Durchbruch beim Thema Disziplin im Alltag. Faszinierend wie wirksam simple psychologische Methoden sein können.

Gerade bin ich in den Schreibmodus gerutscht und aus diesem Grund will ich noch einen Bonustipp drauflegen.

3. Begeistere dich für unbeliebte Aufgaben
Bislang habe ich zumeist von “unbeliebten Aufgaben” oder auch “kleinen Monstern” geschrieben. Doch seit einiger Zeit arbeite ich daran einen Shift in meinen Gedanken zu vollziehen und die anfallenden Aufgaben weniger als etwas störendes, unbeliebtes oder gar schlimmer zu betrachten, hin zu einer wirklichen Chance mein Leben auf allen Ebenen zu verbessern.
So habe ich den Titel meiner Liste von “To do” zu beispielsweise “Mission Disziplin” geändert.

Ich versuche über die anfallenden Aufgaben anders nachzudenken und das auf zwei Ebenen:
Einerseits betrachte ich die anfallenden Aufgaben als Chance meine Disziplin zu trainieren und weiter zu stärken. Dies wirkt sich wiederum positiv auf andere Lebensbereich aus – meinen Beruf, Forschung und Unternehmen.
Auf der anderen Seite führt das Abarbeiten dieser Aufgaben dazu, dass ich mit einem klareren Kopf durch mein Leben schreite. Durch das Aufräumen und Abarbeiten der Aufgaben werfe ich Ballast ab, den ich zwar vielleicht im ersten Augenblick nicht sehe, weil ich ihn in den tiefen meines Schranks verstecke, der aber dennoch da ist und mein Unterbewusstsein belastet. Man denkt halt dennoch immer wieder darüber nach, dass da etwas ist, was nach wie vor auf einen wartet und erledigt gehört. Der klarere Kopf führt auf einer weiteren Eben dazu, dass ich bessere Entscheidungen in Bezug auf mein restliches Leben treffen kann.

Übrigens: Das Abarbeiten derartiger Aufgaben kann sich auch finanzielle enorm lohnen. Viele Menschen machen ihre Steuererklärungen nicht, weil sie diese Aufgabe als lästig empfinden, dabei kann da echt viel Geld flöten gehen. Ich betrachte meine Steuererklärung mittlerweile als etwas sehr Positives und als eine Chance Geld zurückzubekommen, das ich dann wiederum anlegen kann. Dies bringt mich wiederum einen Schritt näher an mein Ziel der finanziellen Unabhängigkeit.
Um mir den Prozess zu erleichtern bin ich auf das super simple und kostengünstige Onlinetool Smartsteuer umgestiegen, das einem bei der Steuererklärung jeden Schritt vorgibt und mit Tipps versorgt, sodass man das Beste rausholen kann. Die Kosten hierfür kann man anschließend in seiner nächsten Steuererklärung absetzen.

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Zusammenfassung

Wenn man disziplinierter werden will, muss man sich in meinen Augen zunächst eingestehen, dass nichts Verwerfliches dran ist, dass man oft ziemlich faul ist. Das liegt in unserer Natur. Ferner sollte man begreifen, dass die scheinbar extrem disziplinierten Menschen um uns herum, nicht etwa so auf die Welt gekommen sind, sondern sich ihre Disziplin über Jahre und Jahrzehnte erarbeitet haben. Ferner nutzen zahlreiche disziplinierte Menschen, die von mir in diesem Artikel aufgeführten Methoden – die einen bewusst, die anderen unbewusst. 

Persönlich empfehle ich auf dem Weg zu mehr Disziplin wie folgt vorzugehen

  1. Status quo erfassen und große Aufgaben in kleine Chunks aufzubrechen
  2. Mit kleinen geplanten Belohnungen sich selbst zu konditionieren
  3. Positive Aspekte an den anfallenden Aufgaben sehen, statt diese als etwas Furchtbares zu betrachten

Zu guter Letzt möchte ich dir drei Bücher empfehlen, die mir auf meinem Weg zu einem strukturierteren und disziplinierteren Selbst sehr unter die Arme gegriffen haben. Ich würde dazu raten, diese in der aufgeführten Reihenfolge zu hören/ lesen.

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1.)

2.)

3.)

Cheers
Mischa Kotlyar

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2 Comments

  1. 1

    Danke für die tollen Tipps und die Art und Weise WIE Du schreibst.
    Gibt es Bücher von Dir? Ich finde (noch) keins…. würde mich aber darüber freuen.

    • 2

      Liebe Tanja,

      besten Dank für dein Feedback. Aktuell gibt es noch kein Buch von mir.
      Ich habe allerdings den Plan eines umzusetzen. 🙂

      Cheers Mischa

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