Entscheidungen treffen: Die Wahrscheinlichkeitsmethode

Photo by Sasha Freemind on Unsplash

Über die letzten Jahre bin ich an einen Punkt gelangt, an dem es mir immer schwerer fiel bestimmte Entscheidungen zu treffen. So konnte ich zwar immer noch in Bereichen, die relativ bald eine Konsequenz nach sich zogen, mich auf mein Bauchgefühl verlassen, doch langfristige Entscheidungen bereiteten mir immer häufiger schlaflose Nächte.

Beispiele für kurzfristige und schnelle Entscheidungen:

  • Welches Medikament verabreiche ich meinem Patienten in einem Notfall?
  • Kaufe ich Joghurt A oder B?
  • Esse ich heute Sushi oder Kartoffelecken mit Hackfleisch?
  • Lese ich ein Buch zum Thema P2P-Kredite oder Aktien?

Beispiele für mittel- bis langfristige Entscheidungen:

  • Absolviere ich meine Facharztausbildung in der Chirurgie oder in der Inneren Medizin?
  • Soll ich meine Facharztausbildung fortsetzen oder ein Unternehmen gründen?
  • Promoviere ich im Fach X oder Y?
  • Welche Programmiersprache lerne ich?

Während ich bei den kurzfristigen Entscheidungen in der Regel sehr gut auf mein Bauchgefühl und damit auf mein aktuelles Wissen und meine Erfahrung vertrauen kann, gibt es bei der Entscheidungsfindung für langfristige Fragestellungen ein entscheidendes Problem: Ich kann mich hier und heute meist nicht auf meine Erfahrungswerte verlassen. Ich kann heute nicht wissen, wie sich meine Entscheidung wirklich langfristig auf mein Leben auswirken wird.

Um also dennoch zu einer zufriedenstellenden (nicht perfekten) Entscheidung zu gelangen, habe ich begonnen mich Wahrscheinlichkeiten zu bedienen:

1.) Ist es wahrscheinlicher, dass ich in 10 Jahren mehr Kontrolle über meinen Alltag haben werde, wenn ich als Facharzt für Unfallchirurgie an einem Uniklinikum arbeite oder wenn ich ein eigenes Unternehmen führe?

Wenn ich die Wahrscheinlichkeiten hierfür abwäge, ist die Antwort für mich klar. Als Unternehmer werde ich flexibler sein.

2.) Wenn ich genau das mache, was alle meine Kollegen machen und was meine heutigen Oberärzte in ihrer Ausbildungen gemacht haben, wie wahrscheinlich ist es, dass ich komplett woanders landen werde?

Nicht sehr wahrscheinlich, nicht wahr?

Ziehen wir das ganze mal anders herum auf:
Manchmal schau ich mir ein Ziel an, das ich anstrebe und schaue mir Menschen an, die dieses Ziel erreicht haben und frage mich: Wenn ich das tue, was ich heute tue, wie wahrscheinlich ist es, dass ich in 10 Jahren dieses Ziel erreichen werde?

Unwahrscheinlich? Ok, was muss ich tun, um die Wahrscheinlichkeit das angestrebte Ziel zu erreichen, zu erhöhen?
Und dann mache ich das!

Unterm Strichs schränke ich meine Auswahl bei meinen Entscheidungen erst ein und dann wäge ich ab, welcher Weg mich am wahrscheinlichsten an mein Ziel bringt. That’s it.

Ist es eine sichere Sache? Nein.
Wirst du damit stetig richtig liegen? Nein.
Habe ich auf diese Weise bisher stets die richtige Entscheidung getroffen? Nein.

Es gibt keine absolute Sicherheit, aber man arbeitet daran einen Weg einzuschlagen, der die Chancen das angestrebte Ziel zu erreichen erhöht. Wenn ich dann das Ziel doch verfehle oder merke, dass ich vom Kurs abkomme, dann korrigiere ich basierend auf neuem Wissen meine Richtung. Auf diese Weise taste ich mich immer weiter vor, bis ich an meinem erstrebten Ziel ankomme.

Cheers
Mischa Kotlyar


🎧 Meine Literaturempfehlungen zu diesem Blogpost:

Werbung

You May Also Like

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.