Mach es trotzdem…

Kroatienurlaub 2019 – Training mit Aussicht aufs Meer

Ich liebe es, unterschätzt zu werden. Wer mich schonmal getroffen hat, weiß, dass ich mich nicht meinem “Status” entsprechend kleide, kein teures bzw. gar kein Auto fahre und insgesamt sehr minimalistisch lebe. Dies hat zur Folge, dass man meine Person häufig “falsch” einschätzt.

Letztens hatte ich eine Unterhaltung im Fitnessstudio, in der es um das Thema Ernährung und im späteren Verlauf um beruflichen Erfolg und Lebenszufriedenheit ging.
Mein Unterhaltungspartner “jammerte” recht lange über seine schwierige Situation und warum er sich nicht entsprechend seiner Ziele ernähren könne – er wollte abnehmen. So komme ihm sein Beruf mit Schichtdienst in die Quere. Laut ihm könne ich mir nicht vorstellen, was es bedeute, im Schichtdienst zu arbeiten. Man habe da nicht so viel Zeit zu trainieren und sich schon gar nicht dazu sich ordentlich zu ernähren. Insgesamt war er mit seinem Job unzufrieden, zumindest könne er sich aber ein Auto und ein Motorrad leisten. Etwas an seiner Situation zu ändern, sei jedoch nicht möglich, es bleibe bei Schichtdienst schließlich keine Zeit für Fortbildungen. Ein Abitur habe er nicht, lediglich die Hauptschule habe er gerade so geschafft. Mathe habe er einfach nie verstanden und Deutsch war auch ein großes Problem – er ist in Deutschland geboren, jedoch habe er einen Migrationshintergrund. So ging es ca. 30 Minuten, bis er mich fragte: “Was machst du eigentlich?”
Ich: “Wie schätzt du mich ein?”

“Nun…”, antwortete er. “So wie ich dich bisher erlebt habe, würde ich sagen, dass du um die 21 Jahre alt bist und eine Ausbildung machst. Du könntest aber auch ein Student sein.” Interessanterweise folgerte er dies basierend auf meiner Kleidung und dem Fakt, dass ich stets mit einem dicken Rucksack und ohne Auto zum Training komme. Zudem könne kein Berufstätiger 4-5 Mal pro Woche ins Training gehen.

Als ich ihm eröffnete, dass ich Arzt sei, aktuell in der Forschung tätig bin, an einer Promotionsarbeit schreibe, demnächst eine Stelle als Assistenzarzt antrete und bereits mehr als genug im Schichtdienst gearbeitet habe, war er fassungslos. Noch schwerer fiel es ihm zu glauben, dass ich Migrationshintergrund habe, erst mit 11 Jahren nach Deutschland immigrierte und mein Weg an der Hauptschule begann. Finanziell war ich nie bevorzugt, sondern lebte meine gesamte Jugend von Staatshilfe – bedingt durch meine kranken Eltern.

Nach kurzer Begeisterung seinerseits bemerkte ich eine zunehmende Abwehrhaltung: Merklich stellte mein Gesprächspartner fest, dass seine Ausreden für mangelnden Erfolg und Unzufriedenheit in unterschiedlichen Lebensbereichen kein Gehör bei mir fanden. In seinen Augen war genau sichtbar, dass er erkannte, dass er sich selbst belog, und sich hierdurch um seine langfristige Zufriedenheit brachte.

So wie unser Gehirn gestrickt ist, wollte seines dies nicht auf sich sitzen lassen. Jeden meiner Lösungsvorschläge für seine Probleme wischte er mit einer Ausrede vom Tisch.

  1. Problem: Ernährung im Schichtdienst.
    Lösung: *Tuppern nutzen und vorkochen, Nährstoffe mit einer App tracken, *ein Buch wie “Fettlogik überwinden” lesen, um neue Konzepte zu lernen.
  2. Problem: Keine Zeit für Fortbildung.
    Lösung: Onlinekurse nutzen. Hier gibt es mittlerweile eine große Auswahl von sehr guter Qualität – vor allem im englischsprachigen Raum.
  3. Problem: Kein besserer Job durch fehlende Abschlüsse.
    Lösung: Abendschule.
  4. Problem: Deutsche Sprache
    Lösung: Zunehmend komplexere Bücher, *Zeitschriften, *Zeitungen lesen.
  5. Problem: Mangel an Geld für Fortbildungen.
    Lösung: Weg mit dem Auto und Motorrad. Stattdessen in Bildung investieren. Zusätzlich spart man durch Maßnahmen wie “Vorkochen” sehr viele Konsumkosten.

Natürlich handelte es sich nur um Vorschläge, die mir auf die Schnelle einfielen. Viele diese Lösungsansätze habe ich allerdings selbst in meinem Leben umgesetzt. Für jeden dieser Vorschläge versuchte mein Gegenüber allerdings eine passende Ausrede zu finden. Zum Schluss setze er drauf: “Du bist einfach diszipliniert, dir fällt es eben leichter als mir. Deshalb klappt bei mir nichts!”

Falsch! Weder fiel mir “all das” jemals leicht, noch fällt es mir heutzutage leicht. Eigenverantwortliches und diszipliniertes Handeln ist nicht einfach. Eigenverantwortliches und diszipliniertes Handeln ist simpel, aber nicht einfach.

Eigenverantwortliches und diszipliniertes Handeln ist simpel, aber nicht einfach.”

So kostet es mich immer wieder Überwindung nach der Arbeit oder vor der Arbeit ins Training zu gehen. Es kostet mich viel Überwindung, mich ständig fortzubilden. Nicht immer habe ich Lust vorzukochen. Nicht immer habe ich Lust mich hinzusetzen und an meiner Promotionsarbeit zu schreiben. Absolut nie habe ich Lust Geschirr abzuspülen. Aber ich mache es trotzdem…

Ich mache es trotzdem, weil ich weiß, dass Disziplin und eigenverantwortliches Handeln nicht leicht fallen und ich darüberhinaus genau weiß, dass diese mir langfristig ein zufriedenes Leben ermöglichen. Beachte: *Keinesfalls ermöglichen sie mir ein permanent glückliches Leben, sondern ein langfristig zufriedenes.

Wer mit deinem Leben unzufrieden ist, muss in meinen Augen Folgendes verinnerlichen:

  1. Auch den erfolgreichsten Menschen auf diesem Planeten fällt diszipliniertes und eigenverantwortliches Handeln nicht einfach. Sie “trotzen” allerdings ihrem Schweinehund – sie erziehen ihn täglich.
  2. Wir sind nicht am Leben, um permanent glücklich zu sein. Wer mit diesem Anspruch ans Leben herangeht, wird verzweifeln. An dieser Stelle empfehle ich das *Buch von Viktor Frankl – “…trotzdem Ja zum Leben sagen – Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager”
  3. Wer in irgendeinem Lebensbereich langfristig erfolgreichen sein will, muss täglich an sich arbeiten. Hört man auf zu paddeln, treibt es einen zurück. Das ist ein völlig normales Phänomen und alle ernsthaften Sportler und Musiker wissen, dass man nicht ohne tägliche Arbeit an sich selbst vorankommt. In der restlichen Gesellschaft hat sich diese Tatsache bislang allerdings noch kaum herumgesprochen. Ausreden sind nunmal einfacher zu erfinden.

Hat man das im Hinterkopf, muss man nichts weiter tun, als sich hinzusetzen, seine Probleme auf einem Stück Papier aufzuschreiben und mögliche Lösungsansätze zu notieren. Strengt man sich wirklich an, fallen einem in der Regel mehr als genug ein. Anschließend überlegt man sich, welcher dieser Ansätze einen am wahrscheinlichsten ans Ziel bringt. Eine perfekte und absolut sichere Lösung wird es nie geben.
Ab jetzt heißt es: Handeln! Versuche so schnell wie möglich den ersten Schritt zu tun und täglich zumindest ein kleines bisschen weiter zu kommen. Halte im Hinterkopf: Ideen hat jeder, die wenigsten setzen diese allerdings um, weil es nunmal mit sehr viel Anstrengung verbunden ist. Erfolgreiche Menschen trotzen dem Drang, vorschnell das Handtuch zu werfen.

Das war es. Du wirst fasziniert sein, wie sich das Leben zu verändern beginnt, wenn du aufhörst, dich selbst zu belügen und Ausreden zu suchen. Disziplin und eigenverantwortliches Handeln sind simpel, aber nicht einfach. Demnach: Mach es trotzdem!

Cheers Mischa


*Bücher zum Thema
1. “…trotzdem Ja zum Leben sagen – Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager”
2.
Fight Club, Chuck Palahniuk

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1 comment

  1. 1

    Hey Mischa,

    ich schätze deine Beiträge sehr, weil sie mir immer wieder Dinge aufzeigen, an denen ich selbst arbeiten kann und gleichzeitig sehr motivieren!
    Eine Frage noch bezüglich Instagram, ist dein Account komplett gelöscht oder besteht noch die Möglichkeit, alte Beiträge anzuschauen? An schlechten Tagen habe ich öfters dadurch den Arsch hochbekommen.
    Schöne Grüße,
    Niklas

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