Aspartam: Ängste, Mythen, Fakten

Im Jahr 1965 leckte der Chemiker James Schlatter an seinem verunreinigten Finger, um eine Seite umzublättern und tadaaa! – Aspartam wurde geboren. Eigentlich drehte sich seine Forschung um ein Mittel gegen Geschwüre, niemand hätte also je ahnen können, dass seine Entdeckung die Lebensmittelindustrie derart prägen würde.

Nach zahlreichen Untersuchungen wurde Aspartam schließlich 1981 durch die U.S. Food and Drug Administration (FDA) auf dem Markt zugelassen und sein Einsatzgebiet nach und nach zunehmend erweitert [1].

Doch was genau ist Aspartam eigentlich ?

Es ist ein synthetisch hergestellter Süßstoff, mit einer etwa 160-200x höheren Süßkraft als Zucker. Bei entsprechender Verdünnung unterscheidet es sich geschmacklich nur geringfügig vom herkömmlichen raffiniertem Zucker [2]. Zwar kann der Körper auch aus Aspartam Energie gewinnen (4,1 Kcal/g), da dieses allerdings viel süßer als herkömmlicher Zucker schmeckt, fällt die daraus gewonnene Energie kaum ins Gewicht, weshalb die Lebensmittelindustrie sich diese chemische Verbindung gerne zunutze macht, um beispielsweise “kalorienfreie” Zero-Getränke herzustellen. Nach Aufnahme wird Aspartam bei der Verdauung zu 10 % Methanol, 40 % L-Asparaginsäure und 50 % L-Phenylalanin gespalten [2].

All diese Eigenschaften machen Aspartam zur perfekten Zielscheibe, um mit etwas Geschick Verunsicherung und gar Ängste in der Bevölkerung zu schüren.
Diesen einen Menschen kennt wohl jeder von uns…
Nachfolgend ein paar typische Behauptungen, die in Zeitschriften, Blogs und YouTube-Videos verbreitet werden
  1. Aspartam führt durch das darin enthaltene Methanol zur Vergiftung und Blindheit!
  2. Das in Aspartam enthaltene Phenylalanin führt zu geistigen Entwicklungsschäden von Kindern!
  3. Aspartam verursacht Heißhungerattacken! Durch seinen süßen Geschmack gaukelt es dem Körper Zuckerzufuhr vor und führt zur Insulinausschüttung.
  4. Aspartam verhindert Körperfettverlust und macht dick!
  5. Aspartam verursacht Krebserkrankungen!
  6. Aspartam vergiftet den Körper!
  7. Aspartam schädigt das Nervensystem!
  8. Es gibt eine Aspartam-Sensitivität, die mit Kopfschmerzen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Blähungen, Übelkeit usw. einhergeht.

Stimmt das?

Denkt man über diese Thesen nach, könnten sie einem durchaus vernünftig und stimmig erscheinen…Ich meine, wer hat nicht schon mal von einer Methanolvergiftung gehört? Und wenn das dann in Aspartam steckt… Und was ist mit der Tiermast – werden dort nicht Süßstoffe eingesetzt, um die Tiere schnell fett zu machen?

Natürlich wollten auch die Wissenschaftler und nicht zuletzt die Behörden wissen, ob Aspartam sicher ist!
Genau aus diesem Grund werden vor Zulassung neuer Stoffe zahlreiche Studien durchgeführt, um zu testen wie sich diese zunächst auf Zellen, dann auf Tiere und in späteren Untersuchungen auch auf Menschen auswirken. Hier verlässt man sich keinesfalls nur auf einzelne Studien, weshalb im Verlauf beispielsweise sog. Metaanalysen erfolgen, die es der Wissenschaft ermöglichen Fehlerquoten zu reduzieren. Hierbei werden bislang erfolgte Studienergebnisse zusammengetragen, um ein Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft zu einem bestimmten Thema zu gewinnen.
Auch schlafen die Sicherheitsbehörden wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) oder Food and Drug Administration (FDA) nicht. Sie sammeln alle durch die Wissenschaft gewonnen Erkenntnisse, können selbst Untersuchungen anordnen und auch nicht publizierte Ergebnisse von Universitäten oder auch Unternehmen einfordern, um so einen möglichst guten Überblick zu gewinnen und die Sicherheit eines Stoffs beurteilen zu können. Es handelt sich also um einen sehr komplexen und langwierigen Prozess, bis ein neuer Stoff letztendlich in den Markt eintreten darf. Weitere Details werden wir im Verlauf des Artikels besprechen.

Sind nicht alle Studien durch die Industrie finanziert und manipuliert?

Die Qualität von Studien im Netz wird oft in Frage gestellt. Die Kritik wird dahingehend geäußert, dass einige Studien durch die Industrie gesponsert seien und demnach nicht objektiv sein können. Klingt im ersten Augenblick logisch…
Genau deshalb wurde diese mögliche Fehlerquelle durch die wissenschaftliche Community genau unter die Lupe genommen, um Missbrauch auszuschließen. Dabei zeigten unabhängige Untersuchungen, dass durch die Industrie geförderte Studien meist unter gleichen, aber öfters sogar unter höheren qualitativen Standards erfolgen. Dies wird durch größere finanzielle Mittel im Vergleich zu akademischen Einrichtungen ermöglicht. Zudem ist die Industrie, aufgrund vom Konkurrenzdruck stets darauf bedacht möglichst hohe Standards zu gewährleisten, um auch langfristig gewinnbringend wirtschaften zu können. Es ist ihr oberstes Ziel die beste Qualität sicherzustellen, um sich langfristig die Konkurrenz vom Hals zu halten. Davon profitiert letzten Endes natürlich auch der Verbraucher. Unternehmen können sich keine Publikationen mit minderwertigen Studiendesigns oder gar manipulierten Studienergebnissen erlauben. Über kurz oder lang würde das Ganze auffliegen, die Produktqualität leiden oder einfach nicht die Erwartungen der Konsumenten erfüllen – langfristig würde es den Tod des Unternehmens auf dem Markt zur Folge haben. Somit ist es absurd Unternehmen böswillige Manipulation von Studien zu unterstellen, um den Konsumenten zu täuschen. Es ist eine schöne Verschwörungstheorie, macht allerdings aus wirtschaftlicher Sicht absolut keinen Sinn und entspricht auch nicht den Erkenntnissen aus unabhängigen Untersuchungen diesbezüglich.

Was hingegen beobachtet wurde, ist, dass nicht zufriedenstellende Ergebnisse seltener publiziert wurden. Allerdings konnte kein wirklich signifikanter Unterschied zu akademischen Einrichtungen festgestellt werden. Schwarze Schafe, die versuchen Studienergebnisse zu manipulieren, kann es demnach sowohl in der Industrie, als auch an akademischen Einrichtungen geben. Interessanterweise scheinen die Qualitätskontrollen diesbezüglich in der Industrie, wahrscheinlich aus den bereits genannten Gründen, sogar strenger zu sein als an Universitäten [3-6].

Lass uns allerdings jetzt zum eigentlichen Thema zurückkehren und den häufig aufgestellten Thesen in Verbindung mit Aspartam auf den Zahn fühlen.

1. Methanol im Aspartam – macht es mich blind?

Bei Methanol handelt es sich um einen Vertreter der Stoffgruppe der Alkohole. So macht es immer mal wieder Schlagzeilen, weil sich Menschen an verunreinigten alkoholischen Getränken vergiften. Nach Aufnahme wird es im Körper zu Formaldehyd und der daraus entstehenden Ameisensäure metabolisiert. Letztere kann von unserem Köper nur sehr langsam abgebaut werden und sammelt sich während dem zügigen Abbau Methanols im Körper an. In höheren Konzentrationen, kann diese zur sog. metabolischen Azidose, also einer tatsächlichen Übersäuerung des Körpers, die mit einer Verschiebung des Blut-pHs einhergeht, führen. Im Verlauf der Vergiftungsreaktion kommt es in ihrem dritten Stadium zu einer Schädigung von Nerven, vorzugsweise des Sehnervs. So kommt es also zur oft gefürchteten Erblindung durch Methanol.
Wer gerne Zahlen vor sich hat, der findet diese in einem 2017 durch Moon, C. S. durchgeführten Review, indem festgestellt wurde, dass eine Dosis von 3,16-11,85 g puren Methanol pro Person zur Erblindung und 15,8-474 g (Median: 56,2 g) zum Tode führt [7, 8].

BITTE AUF GAR KEINEN FALL AUSPROBIEREN!

All das klingt wahrlich beängstigend und erklärt teilweise, woher die Verunsicherung in Bezug auf Methanol und den Konsum aspartamhaltiger Produkte stamm. Niemand will schließlich sein Augenlicht verlieren oder sich gar vergiften und sterben. Große Panik herrscht hierbei vor allem beim Thema Light-Getränke und Kinder. Verständlicherweise.
Der andere Teil lässt sich hingegen auf die Verdrehung von Tatsachen gegenüber Verbrauchern bezüglich der täglichen Aufnahme von Methanol durch den Konsum aspartamhaltiger Produkte zurückführen…

Wenn man über die Gefahr von Methanol beim Konsum aspartamhaltiger Produkte diskutieren möchte, so sollte man sich bewusst macht, wo und in welchen Mengen Methanol in der Natur vorkommt. Forscht man etwas nach, so stellt sich schnell heraus, dass Methanol im Blut völlig gesunder Menschen vorgefunden werden kann. Darüber hinaus findet sich Methanol aber auch im Urin, Speichel und sogar in der Muttermilch!

Doch dem nicht genug, denn wir nehmen Methanol täglich auch über die Nahrung zu uns, nur wissen die meisten nichts davon, da dies nicht wie im Falle von Aspartam in der Presse oder auf fragwürdigen Blogs herumposaunt wird. So konsumieren wir Methanol während wir beispielsweise genüsslich an Salat und Obst knabbern.
Da das menschliche Mikrobiom aktuell ebenfalls in aller Munde ist, will ich auch unsere lieben Darmbakterien nicht unerwähnt lassen. Denn ja, auch diese produzieren im Rahmen ihrer natürlichen Tätigkeit Methanol [9]!

Abseits von verunreinigten alkoholischen Getränken.

In diesem Zusammenhang wird es nun Zeit endlich wieder zu unserem eigentlichen Übeltäter Aspartam zurückzukehren. Hier konnte nämlich in zahlreichen Untersuchungen festgestellt werden, dass beim Konsum von Aspartam gemäß den unbedenklichen Dosisempfehlungen, es zu einer Erhöhung des Blut-Methanol-Spiegels kommt. Allerdings entsprach diese dem Konsum von Gemüse und Fruchtsäften [9]!Würde man also komplett auf Methanol verzichten wollen, so müsste man auch Obst und Gemüse von seinem Speiseplan streichen…

Verdeutlichen wir das bislang Geschriebene an einem praktischen Beispiel: Man nehme hierfür eine Dose (330 ml) eines Light-Getränks, welche sagen wir mal etwa 125 mg Aspartam beinhaltet. Das würde übrigens bereits einer ziemlich großen Menge entsprechen, denn laut Angaben von Coca Cola verwenden diese lediglich ca. 130 mg Aspartam pro Liter für die Herstellung ihrer „light“ und „zero“ Getränke [10]. Nun wird Aspartam im Körper zu 50 % L-Phenylalanin , 40 % L-Asparaginsäure und 10 % Methanol aufgespalten. Die hierbei aufgenommene Menge an Methanol (12,5 mg), kann man nun mit 6 multiplizieren, um die einem(!) Glas Tomatensaft entsprechende Methanolmenge (ca. 73 mg) zu errechnen [9, 11]. Das bedeutet, dass man beim Konsum eines Tomatensaftes 6x mehr Methanol zu sich nimmt, als es beim Genuss eines herkömmlichen Light-Getränks der Fall wäre. Kennst du jemand, der an Tomaten erblindet ist? Bitte nicht werfen…

Um das Thema mögliche Methanolvergiftung und Blindheit durch Konsum aspartamhaltiger Produkte abzuschließen:  Eine Methanolvergiftung ist ein ernstzunehmender medizinischer Notfall, allerdings braucht man sich keinen Kopf drum zu machen, wenn man mal wieder zu einem Light-Getränk greifen möchte, da die dabei aufgenommene Menge an Methanol weit unter der für den Menschen gefährlichen Dosis liegt und man durch den Genuss von Tomaten und Gemüse ähnliche oder gar größere Mengen hiervon zu sich nimmt.

2. Aspartam als Phenylalaninquelle und ihre Auswirkungen auf die geistige Entwicklung von Kindern

Wenn es um unsere Kinder geht, so gehen wir stets auf Nummer sicher, um diese zu schützen. Doch ab und an treiben es Internetexperten zu weit und schüren Ängste, obwohl sie noch nicht einmal die grundlegende menschliche Physiologie begriffen haben. Das verunsichert Eltern und kann langfristig zu übertriebenen Sorgen rund um das Thema Ernährung führen. Letztlich können sich diese auch auf die eigenen Kinder übertragen und langfristig immense Schäden anrichten.

Phenylketonurie

Im Zusammenhang mit Aspartam wird immer wieder das Thema Phenylketunurie breitgetreten. Hierbei handelt es sich um eine der häufigsten erblichen Stoffwechselerkrankungen, die etwa 1 von 8000 Neugeborenen trifft. Betroffene können die Aminosäure Phenylalanin nicht ordentlich verstoffwechseln, was einerseits zu ihrer Anreicherung und einer daraus resultierenden Beeinträchtigung der Hirnentwicklung führt. Andererseits entsteht aber auch ein Mangel an der normalerweise nicht essenziellen Aminosäure Tyrosin, die beispielsweise für die Herstellung von Schilddrüsenhormonen, Dopamin (das allseits bekannte „Glückshormon“) und Melanin (Färbung von Haaren und Haut) benötigt wird [12].

In unseren gut entwickelten Staaten der Ersten Welt wird diese Art von Erkrankung bereits kurz nach der Geburt im Rahmen eines Neugeborenenscreenings ausgeschlossen. Demnach könnten wir dieses Kapiteln sofort schließen. Denn ein gesunder Mensch braucht sich beim normalen Konsum von Phenylalanin keine Sorgen zu machen. Die Warnhinweise „Enthält eine Phenylalaninquelle“ auf aspartamhaltigen Produkten sind für Erkrankte bestimmt, die unter anderem mit Hilfe einer phenylalaninarmen Diät therapiert werden können. Da diese Ausführung den ein oder anderen Kritiker nach wie vor nicht überzeugen wird, lasst uns spaßeshalber auch in diesem Fall anschauen, in welchen Lebensmitteln und in welcher Menge Phenylalanin natürlicherweise vorkommt und das Ganze mit den Mengen in einer Dose Light-Getränk vergleichen!

Was ist Phenylalanin?

Bei Phenylalanin handelt es sich um eine essenzielle Aminosäure, sie kann also nicht vom Körper gebildet werden und muss demnach für unser Überleben in gewissen Mengen mit der Nahrung aufgenommen werden. Diese Aminosäure findet sich in gewissen Mengen in den meisten Lebensmitteln: In Eiern, Milch, Fleisch, Fisch, Erbsen, Nüssen, Sojabohnen, aber auch in Gemüse und Obst.

Während also Angst und Schrecken über das gefährliche Aspartam aufgrund vom darin enthaltenem Phenylalanin verbreitet wird, unterschlägt man gerne mal, dass in 100 g Rindfleisch (1060mg Phe) etwa 16x mehr Phenylalanin im Vergleich zu einer Dose Light-Getränk (wir rechnen wieder mit 125 mg/ 330 ml) enthalten ist! Auch wird nicht erwähnt, dass diese verrufene Aminosäure an einer ganzen Palette von überlebenswichtigen Prozessen im Körper beteiligt ist, so beispielsweise an der Herstellung von Adrenalin, Noradrenalin, Melanin, Dopamin. Für stoffwechselgesunde Menschen, auch für Kinder ist die Aufnahme dieser Aminosäure demnach nicht nur unproblematisch, sondern überlebenswichtig [12].
CAVE: Erkrankte besprechen ihre Therapie bitte mit ihrem Arzt.

3.   Heißhunger und Übergewicht durch Aspartam

Süßstoffe in der Tiermast

Das erste Vorurteil das fast immer auf den Tisch geknallt wird, wenn es um das Thema Aspartam und Süßstoffe an sich geht, sind ihre scheinbar negativen Auswirkungen auf das Hungergefühl und Körpergewicht. Ganz vorne dabei ist das Argument, dass diese in der Tiermast eingesetzt werden und dies quasi beweise, dass Süßstoffe zu mehr Hunger und einer daraus resultierenden Gewichtszunahme führen. Seien wir mal ehrlich: „Süßstoffe in der Tiermast“ – davon hat doch jeder bereits irgendwann mal gehört. Das muss stimmen!

Tatsache! Es stimmt. Süßstoffe werden tatsächlich in der Tieraufzucht eingesetzt. Was sich allerdings die wenigsten Menschen fragen, ist, wofür genau diese genutzt werden…

Wenn du nun vor allem daran denkst, dass ihr Einsatz primär dazu dient Tiere möglichst schnell fett zu mästen, um sie baldmöglichst zum Schlachter schicken zu können, dann liegst ebenso wie zahlreiche Blogger und hochbezahlte Journalisten bekannterer Plattformen daneben.

Süßstoffe werden in der Tiermast vorwiegend dafür eingesetzt, um Jungtiere abzustillen und möglichst schnell an das neue Futter zu gewöhnen. Auch wenn man sich bei der Durchführung von Studien diesbezüglich erhofft hatte, ebenso eine Auswirkung auf das Mastgewicht zu erreichen, so hat sich das nicht bewahrheitet. Die Ferkel liefen zwar häufiger zur Futterstelle, um tatsächlich zu naschen, nahmen aber am Ende des Tages nicht mehr Energie zu sich und unterschieden sich in ihrem Körpergewicht nicht von der Nicht-Süßstoff-Testgruppe. Übrigens sollte an dieser Stelle dringend erwähnt werden, dass im Rahmen der Umgewöhnungsphase in der Regel auf den Süßstoff „Saccharin“ und nicht etwas wie häufig angenommen auf Aspartam gesetzt wird. Letzteres wird in der Tiermast i.d.R. nur testweise im Rahmen von Studien verwendet. Versuche mit dem „natürlichen“ Süßstoff Stevia führten ebenfalls nicht zu einer statistisch signifikanten Gewichtszunahme der Ferkel gegenüber der Kontrollgruppe [13, 14]. Ähnliche Experimente wurde auch an Kälbern unter Einsatz von Saccharin durchgeführt. Auch in diesem Fall konnten zur großen Enttäuschung der Autoren keine positiven Ergebnisse in Hinsicht auf das Körpergewicht beobachtet werden [15].

Unterm Strich lässt sich also sagen, dass der Einsatz von Süßstoffen in der Tiermast nicht zur Steigerung der Gesamtmasse der Tiere dient, sondern den Abstillvorgang der Jungtiere erleichtern und beschleunigen soll. Aspartam kommt auch zu diesem Zweck nur in Ausnahmefällen zum Einsatz.


Auswirkungen auf den menschlichen Organismus

Nachdem wir nun den allseits verbreiteten tierischen Mythos aus dem Weg geräumt haben, können wir uns endlich dem menschlichen Organismus zuwenden. Hierbei muss man wissen, dass an der Entstehung vom Hungergefühl zahlreiche Faktoren beteiligt, ebenso wie das Sättigungsgefühl nicht nur über einen Mechanismus reguliert wird. Auf jeden einzelnen Aspekt einzugehen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Allerdings ist der Blutzucker- und Insulinspiegel zentral an der Regulierung der Sättigung beteiligt. Vereinfacht erklärt: Steigt der Blutzuckerspiegel nach Kohlenhydratkonsum an, wird Insulin ausgeschüttet, um den Übertritt von Glucose aus dem Blut in die Zelle zu ermöglichen. Dies signalisiert dem Gehirn, dass eine Energieaufnahme stattfindet, wodurch eine negative Rückkopplung auf das Hungergefühlt erfolgt  – man fühlt sich satter. Das ist allerdings eine sehr vereinfachte Darstellung, denn auch der Konsum von Protein resultiert in einer Insulinausschüttung und beeinflusst weitere Hormone, wodurch es ebenfalls zur Sättigung beiträgt. Konzentriert man sich allerdings ausschließlich auf den Blutzucker- und Insulin-Mechanismus, so stellen Aspartam-Kritiker korrekterweise fest, dass es fatal wäre, wenn Aspartam durch seinen süßen Geschmack dem Körper Zuckerzufuhr vorgaukeln und so zu einer Insulinausschüttung führen würde. Beim Konsum größerer Mengen wäre dies sogar lebensgefährlich. Schauen wir uns also an, was die Wissenschaft hierzu zu sagen hat.

Studie: Aspartam, Stevia und Mönchsfrucht vs. Zucker

Die Auswirkung von Aspartam auf die Insulinausschüttung, den Blutzuckerspiegel, das Hungergefühl und die damit im Zusammenhang stehende Energieaufnahme über den Tag wurden in einer 2017 durchgeführten und in Science publizierten Studie durch Tey, S. L., et al. untersucht [16]. Insgesamt wurden drei unterschiedliche Stoffe unter die Lupe genommen – Aspartam und die natürlichen Süßstoffe Stevia und Mönchsfrucht. Diese wurden mit dem Konsum herkömmlicher Saccharose (weißer Zucker) verglichen. Es handelte sich um ein randomisiertes Crossover-Studiendesign mit insgesamt 34 gesunden, normalgewichtigen, männlichen Teilnehmern. Das bedeutet, dass alle Versuche an denselben Probanden stattfanden, diese ihren Gruppen allerdings per Zufall zugeordnet wurden. In dieser Studie wurden zusätzlich sowohl die untersuchenden und auswertenden Wissenschaftler als auch die Probanden verblindet. Zwischen den einzelnen Versuchen gab es eine sog. wash-out Periode, in der die Probanden ihren herkömmlichen Lebensgewohnheiten nachgingen. Bei jedem Versuch folgten die Probanden einem standardisieren Protokoll, der der nachfolgenden Abbildung entnommen werden kann.

Standardisiertes Studienprotokoll

Zwischen 8.00 und 9.00 Uhr erhielten alle Probanden ein standardisiertes Frühstück. Um 11.00 Uhr folgte die Gabe des 500 ml Testgetränks (innerhalb von max. 15 Minuten), das entweder mit 0,44 g Aspartam, 0,33 g Stevia, 0,63 g Mönchsfrucht oder aber mit 65 g Saccharose gesüßt war. In der darauffolgenden 60-minütigen Wartezeit erfolgten Blutuntersuchungen und detaillierte Befragungen der Probanden. Anschließend durften sie sich an einem sog. ad libitum Mittagessen bedienen. Dieses bestand aus 800 g gebratenem Reis (1256 kcal, 182,4 Kohlenhydrate, 52 g Protein, 35,2 g Fett) und optional einem Wasser (250 ml). Das bedeutet, dass die Probanden so viel oder so wenig essen durften wie sie wollten, bis sie ein zufriedenstellendes Sättigungsgefühl verspürten. Es folgten wiederholte Untersuchungen und Befragungen, woraufhin die Probanden nach einer Gesamtzeit von 180 Minuten in ihren herkömmlichen Alltag entlassen wurden. Ab hier an durften sie ihren Konsum frei gestalten, mussten allerdings jedes Essen, Getränk und jeden kleinsten Snack notieren und mittels Fotoaufnahmen dokumentieren. Die so gewonnen Protokolle wurden von ausgebildeten Ernährungswissenschaftlern ausgewertet.

Um Fehlerquellen zu reduzieren, wurden alle Getränke mit einem Erdbeergeschmack aromatisiert und rosa gefärbt, um zu verhindern, dass die Probanden Unterschiede bemerken. Es erfolgte ein unabhängiger Vortest, um auszuschließen, dass sich die Getränke in ihrem Aroma, ihrer Süße oder sonstigem Geschmackserlebnis nennesswert unterschieden.

Ergebnis-Highlights

Wer jedes einzelne Detail wissen will, wird nicht Drumherum kommen, sich selbstständig durch die Studie zu arbeiten. (Aufgrund von Copyrightbestimmungen war es nicht möglich Tabellen oder Graphiken aus der Studie einzufügen.)

  • Innerhalb des Zeitraums 30-60 Minuten nach Konsum des Testgetränks empfanden die Probanden der Süßstoffgruppen eine stärkere Begierde nach Essen und ein stärkeres Hungergefühl. Das Gefühl von „Fülle“ war in der Süßstoffgruppe im Vergleich zur Zuckergruppe geringfügiger ausgeprägt.
  • Die Süßstoffgruppen nahmen beim ad libitum Mittagessen signifikant mehr Energie zu sich im Vergleich zur Zuckergruppe.
  • Probanden der drei Süßstoffgruppen reagierten auf das ad libitum Mittagessen mit einem steileren Blutzucker- und Insulinanstieg und es wurden insgesamt höhere Höchstlevel erfasst.

Soweit schaut es also für die Süßstoffe ganz schön mies aus und wenn ich es beabsichtigen würde, könnte ich das nun einfach so stehen lassen, um den Verbraucher davon zu überzeugen, dass Süßstoffe nur negative Effekte haben. Hält man sich allerdings an die Tatsachen, so müssen noch einige weitere Fakten erwähnt werden:

  • Denn obwohl die Probanden der Süßstoffgruppe mehr Hunger und Gelüste in dem Zeitraum nach Konsum der Test-Getränke verspürten und anschließend auch stärker beim Mittagessen zuschlugen, so führte dies am Ende des Tage nicht zu einer statistisch signifikant höheren Energieaufnahme im Vergleich zur Zuckergruppe (p=0.831). Das bedeutet, dass alle Probanden unabhängig vom Testgetränk dieselbe Menge an Kilokalorien über den gesamten Tag verteilt zu sich nahmen.
  • Außerdem: Obwohl in den Süßstoffgruppen ein steilerer Anstieg des Blutzucker- und Insulinspiegels nach dem Mittagessen beobachtet wurde, führte dies unterm Strich nicht zu einer größeren Gesamtmenge an ausgeschüttetem Insulin (p=0.216) und auch nicht zu einer insgesamt größeren Menge an erfasstem Blutzucker im Vergleich zur Zuckergruppe (p=0.960), wenn man den ganzen Zeitraum von 180 Minuten seit Konsum der Testgetränke betrachtet.

Wenn man alle Fakten auf den Tisch legt, kann das ein ganz anderes Bild vermitteln, als wenn Journalisten, Blogger oder sonstige Autoren durch Einsatz von Studien nur ihren eignen Standpunkt zu untermauern versuchen und hierfür extrem gefiltert berichten. Nicht wahr?

Diskussion seitens der Studienautoren

Nachdem die Ergebnisse festgehalten wurden, gehört zu jeder ordentlichen Studie eine Diskussion dieser seitens der Autoren. Hierbei wird Bezug auf die Ergebnisse bereits zuvor erfolgter Studien durch andere Laborgruppen genommen und die eigenen Ergebnisse in diesem Zusammenhang kritisch diskutiert. Zusätzlich erfolgt die Hinterfragung des eigenen Studiendesigns unter Aufführung möglicher Mängel. Dieser Teil einer jeden Studie ist von großer Bedeutung und wird nur zu gerne von Bloggern und Journalisten, die häufig nur die Zusammenfassungen sog. Abstracts lesen, unterschlagen. Schauen wir und also an, was Tey, S. L., et al. zu ihrer eigenen Studie anzumerken haben!

  1. Die Wissenschaftler waren überrascht(!), dass in Bezug auf die aufgenommene Gesamtenergie keine Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt werden konnten. Dies war für die Autoren dahingehend überraschend, weil wie sie selbst anmerken, in mehreren bereits publizierten Studien gezeigt werden konnte, dass Süßstoffkonsum zu einer Reduktion der Energiezufuhr und folglich des Körpergewichts führen kann. Auch eine Metaanalyse, die insgesamt 12 randomisierte kontrollierte Studien auswertete, kam zu dem Ergebnis, dass wenn reguläre Produkte durch mit Süßstoffen gesüßte für einen Zeitraum von 4-24 Wochen ersetzt werden, dies zu einer Gewichtsreduktion der Probanden führen kann. Die Autoren heben zudem hervor, dass es in keiner der 12 Studien zu einer Körpergewichtszunahme durch Süßstoffkonsum kam! [17-20] Sie schlussfolgern, dass die aktuelle Gesamtheit wissenschaftlicher Erkenntnisse darauf hinweisen, dass Süßstoffe dazu geeignet sind, um die tägliche Energiezufuhr und schlussendlich auch das Körpergewicht zu reduzieren. Ihrer Ansicht nach konnte dies im Rahmen ihrer eigenen Studie lediglich aufgrund des zu kurzen Beobachtungszeitraums nicht reproduziert werden.
  2. In der Süßstoffgruppe konnten nach dem Mittagessen höhere Insulin- und Blutzuckerspiegel inkl. ihres steileren Anstiegs im Vergleich zur Zuckergruppe festgestellt werden. Die gemessenen Gesamtmengen seit Gabe des Testgetränks unterschieden sich allerdings nicht. Die Autoren weisen darauf hin, dass ähnliche Reaktionen vereinzelt bereits in früheren Untersuchungen, allerdings nicht einheitlich, aufgefallen seien. Wenn hingegen Probanden 20 Minuten vor einem Test-Abendessen einen mit Süßstoffen statt mit Zucker gesüßten Frischkäse mit Crackern konsumierten, ließ sich ein derartiger Effekt nicht nur nicht nachweisen, die gemessenen Werte nach dem Testessen fielen im Vergleich zur Zuckergruppe sogar deutlich niedriger aus [21-23].
    Kommentar: In den durch die Autoren als Beleg für ähnliche Insulin- und Blutzuckerreaktionen aufgeführten Studien wurden die Süßstoffe Sucralose und Acesulfam-K, nicht aber Aspartam, Stevia oder Mönchsfrucht untersucht. Nur die Untersuchung mit dem gesüßten Frischkäse fand unter Verwendung von Aspartam, Stevia oder Saccharose statt. (auf diese Studie gehe ich im Verlauf nochmal ein)
  3. Es gab keine feststellbaren Unterschiede der Insulin- und Blutzuckerreaktion zwischen den einzelnen Süßstoffgruppen (Aspartam, Stevia, Mönchsfrucht).
  4. Auch wenn in den Süßstoffgruppen stärkere Gelüste und ein intensiveres Hungergefühl nach Konsum des Testgetränks erfasst werden konnten, so führte dies am Ende des Tages nicht zu der Aufnahme einer größeren Gesamtmenge an Energie. Die Wissenschaftler merken an, dass in einem 2015 durch Bellisle, F. publiziertem Review nicht bestätigt werden konnte, dass Süßstoffkonsum die Begierde nach Süßkram steigert. Der Review-Autor kam zum Schluss, dass die Studienlage zum heutigen Tag keine Belege liefert, um anzunehmen, dass Süßstoffe den Appetit oder das Hungergefühl steigern [20].
  5. Kritik an der eignen Studie: Im Rahmen des vorliegenden Studiendesigns können die Autoren nicht sicher sein, dass die Probanden ihren Konsum außerhalb des Labors korrekt dokumentiert haben. (Kommentar: das ist ein generelles Problem im Rahmen solcher Studien) Allerdings betonen sie, dass ihr eigenes Interesse vor allem dem Mittagessen und nicht den Mahlzeiten danach galt. Hier wurden die konsumierten Reismengen mittels einer Waage genau erfasst. Auch merkten sie an, dass man zwar mittels Vortest versucht hatte die geschmacklichen Unterschiede zwischen den Testgetränken auszumerzen, die Probanden allerdings dennoch gewisse Differenzen bemerkten. Sie hielten zudem fest, dass die Versuche jeweils lediglich einen Tag dauerten und dies nicht ausreiche, um langfristige Einflüsse von Süßstoffen auf die Energiezufuhr und das Körpergewicht zu untersuchen. Darüber hinaus waren alle Probanden Männer mit einem normalen BMI, was die Aussagekraft der Studie eingrenzt.
Fazit der Autoren

Die Autoren kamen zum Schluss, dass süßstoffhaltige Getränke lediglich geringfügige Auswirkungen auf die Energiezufuhr und die Reaktion des Insulin- und Blutzuckerspiegels hatten. Die Süßstoffe unterschieden sich nicht in ihrer Wirkung untereinander.

Kommentar zum Fazit
  1. “Geringfügige Auswirkungen auf die Energiezufuhr” – hier wird sich auf das ad libitum Mittagessen 60 Minuten nach Konsum des Testgetränks bezogen. Die aufgenommene Energie über den gesamten Tag unterschied sich zwischen den Gruppen nicht.
  2. „geringfügige Auswirkung auf […] die Reaktion des Insulin- und Blutzuckerspiegels“ – der Bezug gilt dem steileren Anstieg nach dem Mittagessen und den höheren Leveln. Die Gesamtmengen seit Konsum des Testgetränks unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht.
  3. Die Autoren beziehen sich im Fazit auf ihre eigene Studie und nicht auf die gesamte aktuelle Studienlage.

Man muss bei Studien immer ganz genau lesen und darüber nachdenken, wie die Autoren zu bestimmten Schlüssen kommen. Genau deshalb genügt es nicht, so wie es oft in den Bloggerszenen, in Zeitschriften und in der Mainstreamliteratur geschieht, nur die Zusammenfassungen (Abstracts) zu überfliegen!

Nachdem wir uns gemeinsam von vorn bis hinten durch diese Studie gekämpft haben, könnten wir, sofern wir vom Studiendesign, den Ergebnissen und der Diskussion sowie von den Schlussfolgerungen der Autoren halbwegs überzeugt sind (100 % gibt es hier nie), folgendes festhalten:

  1. Ein mit Aspartam gesüßtes Getränk führte im Rahmen dieser Studie zwar kurzfristig zu mehr Gelüsten, dies resultierte allerdings nicht in der Aufnahme von mehr Energie über den gesamten Tag.
  2. Aspartam schnitt im Rahmen dieser Studie nicht schlechter ab, als die natürlichen Süßstoffe Stevia oder Mönchsfrucht.

Übrigens: Die kurzfristig stärkere Begierde nach Essen könnte damit erklärt werden, dass es beim Konsum eines süßstoffhaltigen Getränks zu keiner Erhöhung des Blutzucker- und Insulinspiegels kommt. Da diese allerdings am Sättigungsmechanismus beteiligt sind, fehlt die negative Rückkopplung. Außerdem waren seit dem Frühstück bereits mehrere Stunden vergangen, in dieser Konstellation kann alleine der Gedanke an ein unmittelbar bevorstehendes Mittagessen das Verlangen nach Essen steigern (eine Art Vorfreude). Dem kann mit einem zuckerhaltigen Getränk, das nun mal Energie liefert, besser entgegengewirkt werden, als mit einem energiefreien.

Unter Berücksichtigung der Diskussion durch die Studienautoren, lässt sich darüber hinaus folgendes festhalten: 

  1. Der gesteigerte Appetit in der vorliegenden Studie lässt sich nicht einheitlich in der Literatur reproduzieren und die Ergebnisse tendieren laut früherer Reviews eher zum Gegenteil. Nach heutigem Wissensstand steigert Aspartam nicht die Gelüste auf Süßkram, führt nicht zu Heißhungerattacken oder einem ansonsten gesteigerten Hungergefühl.
  2. Setzt man Süßstoffe über einen längeren Zeitraum von mind. 4-24 Wochen ein, so können diese helfen Energie über den Tag einzusparen und eine Gewichtsreduktion unterstützen.
Reicht das als Beleg?  (“Studien und Gegenstudien”)

Ein ordentlicher gelernter Wissenschaftler verlässt sich wenn immer möglich nicht auf nur eine Studie, egal wie gut sie ihm vorkommen mag. Es werden immer eigenhändig zusätzliche Recherchen unternommen, um sich ein eigenes Bild vom aktuellen Stand der Wissenschaft zu verschaffen. Hierbei ist es wichtig zu verstehen, dass es nicht darauf ankommt zu welchem Ergebnis eine Studie kommt und zu welchem eine andere. Sonst landet man schnell bei dem Vorurteil „Es gibt für alles eine Studie und eine Gegenstudie!“. Viel wichtiger ist es, nach einer intensiven Recherche in die unterschiedliche Arten von Studiendesigns, aber auch Aufarbeitungen wie Reviews und Metaanalysen einfließen sollten, zu versuchen eine Übersicht über die aktuelle Studienlage zu gewinnen und erst dann Schlüsse zu ziehen. Das kann Wochen und in einigen Fällen Monate oder gar Jahre dauern. Das ist der Grund, warum wissenschaftliche Tätigkeiten unter anderem oft mit sehr viel Lesearbeit verknüpft sind und viel Zeit in Anspruch nehmen. Darüber hinaus wird vielleicht auch verständlich, warum es nach vielen Stunden von Recherchearbeit so schwer ist, diese Ergebnisse in Worte zu fassen, die einen Verbraucher zum Kauf eines bestimmten Produkts animieren. Es ist eigentlich kaum möglich, weil die meisten Themen in der Wissenschaft sich immerwährend in Erforschung befinden und es nur wenige ganz eindeutige Ergebnisse gibt. Eine Gewisse Unsicherheit bleibt fast immer bestehen und das ist für einen Verbraucher weniger „sexy“, als wenn jemand ruft: „So und so ist es! Punkt.“ Mit Letzterem kann man deutlich einfacher einen Bestseller schreiben oder ein neues Wunderprodukt bewerben. Menschen lieben nun mal eindeutige Ergebnisse, Kontrolle und Sicherheit. Diese Sicht der Dinge entspricht allerdings nur enorm selten der Realität, was dem Verbraucher oft bewusst unterschlagen wird.

Nachfolgend werde ich nochmal kurz einige Ergebnisse zum Thema Aspartam, Hunger und Gewichtskontrolle zusammenfassen und mit Belegen untermauern, diese aber nicht mehr derart detailliert ausarbeiten. Das dient zum einen dem Zweck, dass nicht 99,99 % aller Leser denen ich Wissen zum Thema Aspartam vermitteln will, hier und jetzt aussteigen. Zum anderen, will ich allerdings die aktuelle wissenschaftliche Lage zu diesem Themen nochmals untermauern und denjenigen, die sich wirklich für die Details interessieren die Möglichkeit bieten, sich selbstständig mit dem dazugehörigen Quellenverzeichnis auseinanderzusetzen. Los geht’s!

Insulin- und Blutzuckerreaktion durch Aspartam
  1. Im Jahr 2014 untersuchten Bryant, C. E., et al. die unmittelbare Auswirkung einer oralen Gabe (über den Mund) von Aspartam in Kombination mit Glucose auf den Blutzuckerspiegel im Vergleich zur reinen Glucosegabe beim Menschen.
    Ergebnis: Es konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt werden. Bei den Probanden wurde also durch die zusätzliche Gabe von Aspartam keine signifikant stärkere Blutzuckerreaktion im Vergleich zur reinen Glucosegabe hervorgerufen [24].
  2. In einem 2016 publizierten Review, das 14 Aspartam-Studien einschloss, kamen Romo-Romo, A., et al. zu keinem eindeutigen Ergebnis bezüglich der Wirkung von Aspartam auf den Blutzuckerspiegel. Ihrer Ansicht nach reicht die aktuell Studienlage hierzu nicht aus [25].
    Kommentar: Auch das ist Forschung.
  3. Siegler, J., et al. untersuchten die Auswirkungen der Gabe von Aspartam in Kombination mit den Kohlenhydraten Maltodextrin und Saccharose im Vergleich zur reinen Kohlenhydratgabe (Maltodextrin + Sccharose) auf den Insulinspiegel unter sportlicher Ausdauerbelastung. Die verabreichten Kohlenhydratmengen unterschieden sich in beiden Gruppe nicht.
    Ergebnis laut Autoren: Bei der Gabe von Aspartam + Kohlenhydrate wurden signifikant niedrigere Insulinspiegel unter körperlicher Belastung im Vergleich zur reinen Kohlenhydratgabe gemessen. Die Blutzuckerreaktionen in Ruhe unterschieden sich zwischen den Gruppen sich nicht signifikant [26].
    Abbildung 1
    Serum-Insulinkonzentrationen unter Belastung (vor Belastung (Pre-Ex), 30 Minuten und nach Belastung (Post-Ex)) nach Konsum von: 2% Maltodextrin and 5% Saccharose (C); 0.04% Aspartam with 2% Maltodextrin and 5% Saccharose (CA); Wasser (W); or 0.04% Aspartam with 2% Maltodextrin (A).* C unterscheidet sich signifikant von W and A (p < 0.05). ^CA unterscheidet sich signifikant von W and A (p < 0.05).

    Abbildung 2
    Blutzuckerwerte während Ruhephase (Ausgangswert, 10, 20, 30 Minuten und vor Belastung (Pre-Ex)) nach Konsum von: 2% Maltodextrin and 5% Saccharose (C); 0.04% Aspartam with 2% Maltodextrin and 5% Saccharose (CA); Wasser (W); or 0.04% Aspartam with 2% Maltodextrin (A). *C and CA unterscheiden sich signifikant von W and A (p < 0.05).


    Kommentar meinerseits: 
    Auch wenn die Autoren in ihrem Fazit zum folgenden Schluss kommen: “The novel finding of this study was that despite a normal insulin response during the ingestion period (at rest), the combination of aspartame and carbohydrate (CA) led to significantly lower serum insulin levels during exercise than when compared to carbohydrate alone (C).”[26]. So sind die Ergebnisse meiner Ansicht nach alleine aufgrund der großen Standardabweichungen nicht eindeutig und es ist fraglich, ob diese bei einer größeren Zahl an Probanden und damit mehr Messwerten reproduzierbar sind. Was wir allerdings sagen können ist, dass die zusätzliche Gabe von Aspartam zumindest zu keiner negativen Auswirkung auf den Blut- und Insulinspigel führte. 

  4. In einer bereits 1988 durchgeführten Studie untersuchten Horwitz, D. L., et al. die Auswirkungen von Aspartam, Saccharin oder Wasser auf den Blutzuckerhaushalt gesunder Probanden sowie von Diabetikern im nüchternen Zustand. Es wurden testweise Süßstoffmengen vergleichbar mit einem 1 L Zero-Getränk (400 mg Aspartam; 135 mg Saccharin) verabreicht.
    Ergebnis: Die Autoren schlussfolgerten, dass die Süßstoff-Gaben den Blutzuckerhaushalt nicht beeinflusst [27].
  5. In einem großangelegten Review, dass sich auf 383 Studien stützte, setzten sich Olivier, B., et al. mit möglichen Risiken und Vorzügen von Süßstoffen auseinander.
    Ergebnis: Die Autoren kamen zum Schluss, dass der überwiegende Großteil der bereits publizierten Studien nicht die Annahme stützt, dass Süßstoffe (darunter auch Aspartam) die Insulin- oder Blutzuckerkonzentration beeinflussen [28].
Fazit zu den Auswirkungen von Aspartam auf den Blutzuckerhaushalt

An dieser Stelle ziehe ich den Schlussstrich zum Thema Aspartam und seinen Einfluss auf die Blutzucker- und Insulinkonzentration. Auch wenn die aktuelle wissenschaftliche Lage nicht völlig eindeutig bezüglich dieses Themas ist, so weisen in meinen Augen die meisten Indizien darauf hin, dass Aspartam weder den Blutzucker- noch den Insulinspiegel negativ beeinflusst.

Einfluss von Aspartam auf Hunger und Appetit

Die Annahme, dass Aspartam und Süßstoffe per se durch ihren süßen Geschmack, den Hunger und Appetit anregen, zum Konsum von zu viel Energie über den Tag verleiten und auf diese Weise zur Gewichtszunahme führen, ist weit verbreitet. Sehr gerne wird diese Meinung lautstark und z.T. sehr aggressiv in diversen Facebook-Gruppen, Foren, Blogs, Zeitschriften, YouTube-Videos und nicht zuletzt am Stammtisch zum Ausdruck gebracht. Den weit verbreiteten Irrtum, dass Süßstoffe zum Mästen von Tieren genutzt werden, haben wir zum Glück bereits aus dem Weg geräumt und können uns in den nun folgenden Zeilen auf den menschlichen Organismus fokussieren. Wie im Abschnitt zuvor, möchte auch hier wieder einige Ergebnisse aus Studien und Auswertungen durch Autoren von Reviews und Metaanalysen kurz und bündig präsentieren und am Schluss mein persönliches Fazit ziehen. Hierbei werde ich mich, um den Artikel nicht zu sehr ausarten zu lassen, vor allem auf Langzeituntersuchungen stützen. Denn schlussendlich interessiert die meisten Leser vor allem, ob sie Süßstoffe, darunter Aspartam unterstützend nutzen können, um langfristig ihr Wunschgewicht zu erreichen.

Kurzfristige Effekte

  1. In der zuvor ausführlich besprochenen Studie stellten die Autoren fest, dass mit Aspartam gesüßte Getränke im darauffolgenden ad libitum Mittagessen kurzfristig stärker zuschlugen [16]. Dieser Effekt ließ sich in der 2010 durch Anton, S. D., et al. durchgeführten Studie nicht belegen. Hier erhielten die Probanden 20 Minuten vor dem ad libitum Essen statt einem Getränk, einen mit Aspartam gesüßten Frischkäse mit Crackern. Die Portion enthielt insgesamt 290 Kcal, im Vergleich zu 493 Kcal der Zucker-Vergleichsgruppe. Interessanterweise verspürten die Probanden der Aspartam-Gruppe nicht mehr Hunger und am Ende des Tages ließ sich eine Differenz von 334 Kcal feststellen. Das bedeutet, dass die Probanden nicht nur nicht beim ad libitum Essen ihre eingesparte Energie durch einen höheren Konsum kompensierten, sie nahmen auch über den gesamten Tag signifikant weniger Energie im Vergleich zur Zucker-Gruppe zu sich, ohne dabei mehr Hunger zu leiden [23]. Würde sich dieser Trend durchziehen, dann würde Aspartam also durchaus eine Gewichtsreduktion unterstützen können. Die Studie zeigt uns auch, dass es eventuell einen Unterschied machen kann, in welcher Form man Süßstoffe zu sich nimmt. Wie bereits besprochen, kann man mit einem energiehaltigen Getränk oder wie in diesem Fall Snack Gelüste und die Vorfreude auf eine bevorstehende Mahlzeit besser managen, als mit einem komplett energiefreien. Zumal natürlich auch der Kauvorgang und die Magendehnung zum Sättigungsvorgang beitragen [29, 30]. Diese Effekte spielen bei einem festen Snack eine deutlich größere Rolle, als bei einem Getränk.
  2. Interessanterweise berichteten Probanden in einer anderen Studie, in der sie eine Mischung aus Glucose und Aspartam erhielten nicht von mehr Hunger oder weniger „Füllegefühl“ im Vergleich zur reinen Glucosegruppe [24]. Es scheint also nicht am Aspartam an sich zu liegen.

Langzeiteffekte

  1. Den Langzeiteffekt von Aspartam auf die Gewichtsreduktion untersuchten Blackburn, G. L., et al. bereits im Jahr 1997 an insgesamt 163 adipösen Frauen mit einem durchschnittlichen BMI von 37 kg/m2 (stark übergewichtig). Zu diesem Zweck wurden die Frauen per Zufall einer von zwei Gruppen (Aspartam oder kein Aspartam) zugeordnet. Sie alle nahmen an einem 16-wöchigen Programm zur aktiven Gewichtsreduktion teil und wurden anschließend über 3 Jahre beobachtet.
    Ergebnisse nach 16 Wochen: Beide Gruppe nahmen innerhalb der Diätperiode im Durchschnitt 10 kg ab. Dabei lag der Unterschied zwischen den Probanden (innerhalb der Aspartamgruppe) mit dem niedrigsten und dem höchsten Aspartamkonsum bei sage und schreibe 4,5 kg Gewichtsverlust am Ende der 16-wöchigen Abnehmperiode.
    Übrigens: Das Verlangen nach Süßigkeiten reduzierten sich in beiden Gruppen zum Ende der Abnehmperiode deutlich und unterschied sich ebenso wie das Hungergefühl nicht zwischen den beiden Gruppen!
    Ergebnisse nach 3 Jahren: Ein deutlicher Unterschied war allerdings am Ende des 3-jährigen Beobachtungszeitraums feststellbar. Hier wurde in beiden Gruppen eine erneute Gewichtszunahme beobachtet, allerdings während die Kein-Aspartam Gruppe wieder 9,4 kg drauf hatte, nahm die Aspartamgruppe lediglich 4,6 kg wieder zu [31].

    Kommentar: Die Ergebnisse dieser Studie demonstrieren wiedermal, dass Aspartam den Abnehmvorgang nicht behindert, eventuell sogar zu einem stärkeren Gewichtsverlust beitragen kann und die Probanden langfristig dabei unterstützen kann ihr Gewicht zu halten. Diese Studie zeichnet sich zudem dadurch aus, dass die Untersuchungen an stark übergewichtigen Probanden stattfanden. Dies ist vor allem deshalb von Interesse, weil man weiß, dass stark Übergewichtige in der Regel mehr mit der Hungerkontrolle zu kämpfen haben als Schlanke.


  2. Um diesen Abschnitt abzuschließen möchte ich noch eine letzte und erst 2018 publizierte Studie vorstellen, in der Higgins, K. A., et al. die Auswirkungen von Aspartam auf 100 schlanke männliche Probanden untersuchten. Die Probanden wurden auf 3 Gruppen (0 mg vs. 350 mg vs. 1050 mg Aspartam pro Tag) aufgeteilt. Zur Erinnerung: Eine 330 ml Dose Zero-Getränk enthält in etwa 125 mg Aspartam. Das bedeutet, man müsste etwa etwa 8,4 Dosen Light-Getränk pro Tag konsumieren, um auf die entsprechende Menge von Gruppe 3 zu kommen. Die Studie lief über 12 Wochen und Aspartam wurde in Form eines Getränks und/ oder in Kapseln verabreicht.
    Ergebnisse: Am Ende der 12 Wochen zeigten sich keine negativen Auswirkungen bezügliche der Langzeit-Blutzuckerwerte (HbA1c), der Fettprofile (Gesamtcholesterin, HDL, LDL, TG)  oder der Lebefunktion (GGT, AST, ALT) – die Gruppen unterschieden sich diesbezüglich nicht untereinander. Darüber hinaus waren auch keine Unterschiede in Bezug auf das das Hungergefühl zwischen den Gruppen feststellbar. Auch in dieser Studie schafften es die Autoren nicht die Probanden mit Hilfe von zum Teil vergleichsweise großen Mengen an Aspartam zu mästen. In keiner der drei Gruppen legten die Probanden zum Ende der 12 Wochen Körpergewicht zu [32].
    Kommentar: Diese Art von Studie ist vor allem deshalb von großem Interesse, weil wir natürlich wissen wollen, ob Aspartam schlanke Probanden langfristig dick und/oder krank machen kann. Dies ließ sich allerdings auch unter der Zuhilfenahme größerer Mengen von dem als „Gift“ und „Dickmacher“ in den Medien verschrienen Süßstoff Aspartam nicht bestätigen.

Natürlich könnte man noch länger so weiter machen, um weitere Studie unter die Lupe zu nehmen. Diese Arbeit haben aber zum Glück bereits qualifizierte Arbeitsgruppen hinter sich gebracht und in der bereits zuvor besprochenen Metaanalyse ausgewertet und zusammengefasst [19]. Die von mir gerade eben aufgeführten Studien sollten hingegen die kurzfristigen und langfristigen Auswirkung von Aspartam sowie sein Einfluss auf unterschiedliche Personengruppen (dick, dünn, männlich, weiblich) darstellen.

Fazit zu den Auswirkungen von Aspartam auf den Appetit und das Hungergefühl

Unterm Strich ist die Panikmache bezüglich Aspartam in den Medien (Blogs, Magazinen, Mainstreamliteratur) anhand aktueller wissenschaftlicher Daten nicht nachvollziehbar. Es zeigen sich weder negative Effekte durch Aspartam auf das Hungergefühl, den Appetit oder Nachteile in Bezug auf Gewichtsverlust. Probanden nahmen nach Aspartamkonsum nicht mehr Energie über den Tag verteilt zu sich, sondern eher weniger. Aspartam führte nicht zur Gewichtszunahme von Probanden und die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Aspartam eine Gewichtsreduktion langfristig unterstützen kann. Natürlich muss hierbei angemerkt werden, dass eine Gewichtsreduktion stets an eine gleichzeitige Energiezufuhrdrosselung geknüpft ist. Aspartam kann Menschen bei diesem Vorhaben unterstützen.
Dementsprechend lässt sich vermuten, dass die sich zunehmend häufenden Anti-Aspartam Beiträge, weil es angeblich hungrig und dick mache, nicht dem Verbraucherwohl sondern anderen Zwecken (Marketing) dienen.

4. Aspartam und Krebs

Die Behauptung, dass Aspartam Krebs verursacht wird im Netz lautstark verbreitet. Ich finde derartiges Benehmen sehr fragwürdig und interessant zugleich. Dieses Thema ist wirklich extrem komplex und persönlich kann ich mir nur sehr bedingt vorstellen, dass gefühlt jeder zweite Blogger und YouTuber die Expertise besitzt, um die Behauptung aufstellen zu dürfen, dass Aspartam der Übeltäter sei.

Um eine möglichst akkurate Aussage bezüglich der Sicherheit eines Stoffes treffen zu können, bedienen sich Wissenschaftler und Sicherheitsbehörden einerseits Beobachtungsstudien und versuchen darüber hinaus in kontrollierten Zell- und Tierexperimenten zu untersuchen, ob beispielsweise Aspartam eine Krebserkrankung triggern kann. Was man sich zusätzlich anschaut, ist die Zusammensetzung eines Stoffes. Woraus besteht Aspartam? Zu was wird es im Körper verarbeitet und ist es plausibel, dass die dabei entstehenden Stoffe in irgendeiner Form schädlich für den Menschen sein können. Auch hier kann man sich Versuchen an Zellen und Tieren bedienen, um die einzelnen Stoffe auf ihre Sicherheit hin zu untersuchen.

Was man auch vor Augen haben muss, ist die Tatsache, dass nicht jeder Stoff unabhängig von der Dosis Krebsentstehung auslösen oder das Krebswachstum fördern kann. Häufig hängt es von der Dosis ab. So kann beispielsweise bereits eine Zigarette eine Krebserkrankung verursachen, wohingegen Alkohol erst ab größeren Mengen und bei regelmäßigem Konsum das Gewebe derart schädigt, dass sich Krebs entwickeln kann.

Wie du siehst, ist eine ganze Menge Forschungsarbeit notwendig, um einen Stoff wirklich auf seine Sicherheit zu untersuchen. Denn hat man erstmal ein paar Studienergebnisse gesammelt, müssen diese weiter in sog. Reviews und langfristig auch Metaanalysen ausgewertet werden, um mit der Zeit ein immer klareres Bild über einen bestimmten Stoff zu gewinnen. Ein einzelner Mensch kann eine derart aufwendige Arbeit nur bedingt verrichten bzw. würde diese sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Genau deshalb arbeiten ganze Arbeitsgruppen und Organisationen daran, um die Sicherheit eines Stoffes möglichst akkurat zu beurteilen.

Aus diese Grund macht es sehr wenig Sinn auf das Geschrei einzelner Blogger oder fragwürdiger Buchautoren zu vertrauen, die meinen die absolute Wahrheit zu kennen.
Was hier nämlich oft passiert ist folgendes: Diese Autoren stützen sich auf wenige einzelne Studien, die auf den Zusammenhang zwischen Krebs und Aspartam hinweisen, lesen hiervon vielleicht sogar nur die Zusammenfassung (Abstract) oder aber, sie suchen sich nur Studien zusammen, die ihre Meinung stützt (“cherry picking”). Im blödesten Fall ist nicht mal das passiert und sie reichen einfach die Meinung eines Dritten immer weiter, um Aufmerksamkeit durch Verängstigung des Verbrauchers zu gewinnen. Gerne wird dann mit Worten wie „Tod“, „Krebs“, „Geschwür“, „Gift“ und reißerischen Titeln „Wie Aspartam dich tötet!“ um sich geworfen oder gar die Kinder und die Familien reingezogen, um davon abzulenken, dass man eigentlich gar keine wirklichen Fakten als Beleg vorweisen kann. Das alles hat nichts mit wissenschaftlichem Arbeiten zu tun.

Lass uns jetzt einen Blick darauf werfen, was die Wissenschaft zum Thema Aspartam und Krebs wirklich hergibt und darüber hinaus zu welchen Schlüssen Organisationen kommen, die darauf spezialisiert sind derartige Sachverhalte zu beurteilen. 

Aspartam wurde im Jahre 1981 als dritter Süßstoff auf dem Markt zugelassen. Die Meinungen bezüglich dieses Stoffs waren auch damals kurz nach seinem Markteintritt gespalten – hier findet man sehr unterschiedliche Ausführungen. Wir wollen uns in diesem Artikel nicht zu lange mit der Geschichte beschäftigen. Wen das genau interessiert, der wird auf dem englischsprachigen Wikipedia fündig. Von dort gelangt man nämlich über die Quellenangaben zu sehr spannenden Artikeln, Briefen usw. Have fun!

Kurz nach Einführung von Aspartam erfolgten zahlreiche Tierexperimente (viele fanden auch vorher statt), hierbei konnte unter Einsatz sehr großer Mengen an Aspartam kein Krebs ausgelöst werden [33, 34]. Dabei hat man in der durch Ishii, H. 1981 publizierten Studie Ratten mit bis zu 4 g/ kg Körpergewicht Aspartam pro Tag über insgesamt 104 Wochen gefüttert. Nach Auswertung der Daten zeigten sich keine Hinweise darauf, dass Aspartam die Entstehung von Tumoren verursachen kann [34].

Nur um sich dieses Experiment besser vor Augen führen zu können: Bei meinem eignen Körpergewicht von 90 kg müsste ich also täglich 360 g pures Aspartam zu mir nehmen. Zum Vergleich: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) setzte die Grenze bei 40 Milligramm(!) pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag, die sie als absolut sicher ansieht, wenn man Aspartam sein Leben lang auf täglicher Basis konsumieren würde. Dabei muss bedacht werden, dass unser aktueller Konsum weit unter dieser Grenze liegt [35]. Alleine wenn ich die Grenze von EFSA, die konservativ angesetzt ist, auszureizen versuchen wollen würde, müsste ich sage und schreibe fast 29 Dosen herkömmlicher Light-Getränke à 330 ml zu mir nehmen und das täglich(!). Das soll lediglich verdeutlich, wie weit die Versuche zum Teil getrieben werden, um wirklich ein maximales Sicherheitslevel für den Verbraucher zu gewährleisten.

Gehirntumore durch Aspartam

Im Jahre 1996 macht plötzlich ein Artikel von Olney et al. mit dem Titel „Increasing brain tumor rates: Is there a link to aspartame?“ im Journal of Neuropathology and Experimental Neurology sowohl in den Mainstreammedien als auch in der wissenschaftlichen Welt Schlagzeilen [36]! Die Autoren stellten die Hypothese auf, dass der Anstieg der Zahl neuerkrankter Hirntumor-Patienten zwischen den Jahren 1975 und 1992 womöglich mit der Einführung von Aspartam zusammenhängen könnte. Diese These versuchten sie mit einer durch die FDA durchgeführten Studie, die noch vor der Aspartameinführung erfolgte, zu untermauern. Hierbei erhielten 320 Ratten über 2 Jahre mit Aspartam angereichertes Futter, schlussendlich entwickelten 12 von ihnen einen bösartigen Gehirntumor [37-39]. Zusätzlich wurde das Argument aufgeführt, das eine 1993 erfolgte Studie zeigen konnte, dass Aspartam nach einer Nitrosation mutagen wirken könne, das bedeutet die DNA verändern [40]. Es folgte heftige Kritik seitens anderer Wissenschaftler an Olney et al., in der sein methodisches Vorgehen bemängelt wurde. Er habe einen „Ökologischer Fehlschluss“ begangen, indem er einfach versucht hat, ohne genaue Nachforschungen anzustellen, zwei Ereignisse die zur gleichen Zeit auftraten miteinander zu koppeln. In diesem Fall also das vermehrte Auftreten von Gehirntumoren und die Einführung von Aspartam. In der Epidemiologie ist ein derartiges Vorgehen nicht zulässig. Schon gar nicht, weil zu diesem Zeitpunkt keine Daten vorlagen, ob die Gehirntumorpatienten tatsächlich Aspartam konsumiert hatten [41]. Zu dieser Zeit hätte man auf diese Weise auch die Nutzung von Videorekordern oder die Einführung von Heimcomputern mit der steigenden Anzahl an Gehirntumoren in Verbindung bringen können, so Ross, J. A. in seiner Kritik [38, 41]. Später erfolgte Studien, die 1985 im Rahmen eines Reviews ausgewertet wurden, konnten die Behauptungen von Olney et al. bezüglich Aspartam nicht bestätigten [42].

Passenderweise wurde 1997, ein Jahr nach dem Artikel von Olney et al. eine Studie publiziert, die das Konsumverhalten von 56 Kindern untersucht hatte, die zwischen den Jahren 1984 und 1991 mit einem Gehirntumor diagnostiziert wurden. Diese wurden mit 96 Probanden einer Kontrollgruppe verglichen, die erst im Jahre 1981 geboren wurden, also im selben Jahr in dem die Einführung von Aspartam erfolgt ist. Dabei wurde auch das Konsumverhalten der Mütter aller Probanden während der Schwangerschaft und Stillzeit erfasst. Hierbei konnte allerdings kein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Gehirntumors des Kindes durch Aspartamkonsum seitens der Mütter festgestellt werden. Die gesamte Auswertung der Daten lieferte schlussendlich keinen Anhalt dafür, dass Aspartam das Risiko für die Entstehung von Gehirntumoren erhöht [43].

Erfreulicherweise wurden diese Ergebnisse auch in darauffolgenden Jahren immer wieder bestätigt. So untersuchten Bunin, G. R., et al. im Jahr 2005 die Ernährungsgewohnheit von Müttern vor und während der Schwangerschaft und ihren Zusammenhang mit der Entstehung bösartiger Gehirntumore im Kindesalter. Insgesamt wurden Essgewohnheiten von 315 Müttern erkrankter Kinder erfasst und mit einer ebenso großen Kontrollgruppe verglichen. Doch genau wie in vorherigen Studien konnte auch in diesem Fall kein Zusammenhang mit Aspartam hergestellt werden [44]

Im Jahr 2001 untersuchte ein schwedisches Team 209 Patienten mit einem Gehirntumor und verglich diese mit dem Verhalten einer Kontrollgruppe von 425 Personen. Das Primärziel dieser Studie bestand darin den Zusammenhang zwischen Kontakt mit ionisierender Strahlung, der Nutzung von Mobiltelefonen und der Entstehung von Gehirntumoren zu untersuchen, allerdings wurden aufgrund vorheriger Literaturrecherche auch Daten in Bezug auf Aspartamkonsum erhoben. Die Auswertung brachte kein statistisch signifikantes Ergebnis ans Licht, sodass kein Zusammenhang zwischen Aspartamkonsum und der Entstehung von Gehirntumoren hergestellt werden konnte [45].

Natürlich hatten all diese Studien ihre Schwächen, doch dies ist nie zu 100 % vermeidbar. So waren zum Teil die Fallzahlen zu gering, es wurde nicht der gesamte Aspartamkonsum erfasst, sondern nur der aus Getränken (hier wird es primär eingesetzt) und natürlich ist ein großes Problem der retrospektive Charakter derartiger Untersuchungen. Das bedeutet, dass die Wissenschaftler die Daten aus der Vergangenheit erfassten und dann versuchten herauszufinden, ob ein Zusammenhang zwischen Krebs und bestimmten Stoffen besteht. Das kann, egal wie genau man zu arbeiten versucht, die Ergebnisse verzerren.

Um diese Fehler auszumerzen bzw. zu reduzieren gibt es beispielsweise folgende Möglichkeiten:

  1. Man führt prospektive Studien durch – man stellt also im Voraus eine Hypothese auf, die beispielsweise besagt, dass Aspartam Krebs verursacht und erfasst im Verlauf die Daten. Am Schluss werden die Daten ausgewertet und es wird geschaut, ob diese die Hypothese stützen oder nicht. Der große Vorteil besteht also darin, dass die Datenerfassung erst nach der Aufstellung der Hypothese beginnt.
  2. Man wertet in Übersichtsarbeiten die Ergebnisse mehrerer Studien aus, die den Zusammenhang zwischen einem bestimmten Stoff und einer Erkrankung untersucht haben. So bekommt man ein klareres Bild über den aktuellen Stand der Wissenschaft.

All das ist auch für Aspartam geschehen.

Im Jahr 2006 publizierten Lim, U., et al. die Ergebnisse einer großangelegten prospektiven Studie, sie sich mit dem Zusammenhang zwischen Aspartam und malignen Erkrankungen auseinandersetze. Insgesamt wurden 473.984 Personen (285.079 Männer und 188.905 Frauen) ohne bekannte Krebserkrankungen im Alter von 50 bis 71 Jahren befragt und über 5,2 Jahre (1995-2000) beobachtet. Während dieser Zeit entwickelten 1888 Personen eine hämatopoetische (vom Blut ausgehende) Krebserkrankung und 315 einen bösartigen Gehirntumor. Die Ergebnisse zeigten, dass der Konsum von ≥ 600 mg Aspartam pro Tag nicht mit einem erhöhten Risiko für hämatopoetische Krebserkankungen in Zusammenhang stand, ebenso konnte keine Assoziation zwischen Aspartam und Gehirntumoren hergestellt werden [39].

Gehirn hin oder her, doch was ist mit anderen Krebsarten?

Die Geschichte von Aspartam war damit noch lange nicht zu Ende und nach und nach erfolgten immer mehr Untersuchungen, die es in Verbindung mit anderen Krebsarten zu bringen versuchten. Die Angst vor Süßstoffen, die Angst vor Neuem in der Bevölkerung war und ist groß. Um das verständlich zu machen, muss ich etwas ausholen. Im Jahr 1980, also ein Jahr bevor Aspartam den Markt betrat, publizierten Taylor, J. M., et al. Ergebnisse, die zeigen konnten, dass der Süßstoff Saccharin Blasenkrebs bei Ratten verursachen kann. Allerdings muss man sich vor Augen führen, dass die Ratten nach dem Abstillen Mengen von bis zu 7,5 % ihrer Gesamtnahrung aus Saccharin verabreicht bekamen [46]. Nachdem nachfolgende Studien dieses Ergebnis bestätigten [47] kam es zu einem Verbot von Saccharin in Kanada und in USA mussten Produkte mit Saccharin mit „kann in Tierversuchen Krebs verursachen“ gekennzeichnet werden.
Witziger Weise wurde bei dieser Überreaktion eines nicht bedacht:  Menschen und Ratten reagieren z.T. unterschiedlich auf kanzerogene (krebserregende) Stoffe. So zeigte sich in einer 1998 erfolgten Studie, dass wenn man Ratten mit großen Mengen Ascorbinsäure (Vitamin C) füttert, diese ebenfalls beginnen Blasenkrebs zu entwickeln. Das National Institute for Envoronmental Health Science hob die Kennzeichnungspflicht auf. Der Schaden in der Gesellschaft war allerdings gesetzt und Süßstoffe insgesamt ziemlich in Verruf geraten…

Nach der Einführung von Aspartam im Jahr 1981 waren nun also drei Süßstoffe auf dem Markt, die durch die Industrie nur zu gerne gemischt wurden, um das optimale Geschmackserlebnis zu erreichen. Das führte einerseits zu dem Problem, dass es immer schwerer wurde die Auswirkungen von jeweils nur Saccharin, Cyclamat oder Aspartam zu untersuchen, andererseits stand plötzlich nicht nur Saccharin im Visier der Wissenschaft und Gesellschaft, sondern auch unser neuer böser Freund Aspartam.

In den Jahren danach stellten die Wissenschaftler große Bemühungen an, um herauszufinden, ob Süßstoffe Krebs verursachen können und wie bereits besprochen stand ab 1996 speziell Aspartam unter Beschuss. Tatsächlich schaffte man immer mal wieder geringe Zusammenhänge herzustellen, so etwa in der Studie von Sturgeon, S. R., et al., die 1994 publiziert wurde und in der man im Rahmen einer retrospektiven Arbeit den Zusammenhang von 1860 Blasenkrebs-Fällen und Süßstoffkonsum untersuchte. Diese verglich man mit dem Konsum von 3934 Kontrollen. Das Ergebnis war, dass eine geringfügige Risikoerhöhung für Blasenkrebs bei einem hohen Süßstoffkonsum von über 1680 mg pro Tag festgestellt wurde. Allerdings fand man auch eine noch höhere Risikoerhöhung für starken Kaffeekonsum (>50 Tassen pro Woche) [48].
Hier darf man sich nicht verunsichern lassen, denn wie ich bereits sagte, ist es nicht ausreichend sich nur eine Studie anzuschauen, um eine Aussage über die Sicherheit eines Stoffes zu treffen. Genau deshalb gibt es Organisationen, wie beispielsweise die EFSA die über spezielle Arbeitsgruppen verfügen, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als sich mit der Sicherheit von Lebensmitteln und Zusatzstoffen zu beschäftigen und die alle vorhandenen Studienergebnisse zu bestimmten Stoffen herausfischen, um ein Gesamtbild zu erhalten. Ein großer Vorteil solcher Organisationen ist es auch, dass sie Zugriff auf nicht publizierte Studien einfordern können! Das ist etwas, was viele Menschen nicht bedenken, wenn sie über Studienergebnisse sprechen – es ist, wenn man über die Sicherheit für die Gesamtbevölkerung spricht, nicht ausreichend sich nur das anzusehen, was publiziert wurde. Viel interessanter ist es oft auch die nicht veröffentlichten Arbeiten zu betrachten. Denn wenn einem Unternehmen oder einem Labor die Ergebnisse einer Studie nicht taugen, kann es durchaus mal vorkommen, dass diese unterm Tisch verschwinden. Hier einen Zugriff zu erhalten ist gar nicht so einfach, man brauch einen großen Hebelarm. Den hat EFSA und genau deshalb forderte sie die nicht veröffentlichen Studienergebnisse bezügliche Aspartam an und bezog sie in ihre Auswertung mit ein, um wirklich sicher zu gehen, dass der Verbraucher keinen Schaden nimmt. Nach gründlicher Auswertung, sieht die EFSA in ihrer letzten Stellungnahme keine Hinweise darauf, dass Aspartam bei normalem Konsum Krebs verursachen könnte. Übrigens liegt der durchschnittliche tägliche Konsum der Bürgen weit unter den unbedenklichen Empfehlungen. Wer sich genau einlesen will, dem empfehle ich das Dokument der EFSA, was ich hiermit als Quelle angebe, genauer anzuschauen [49].
Übrigens: Auch die Ergebnisse einer im Jahr 2015 (nach der Stellungnahme von EFSA) publizierten Metaanalyse zeigen, dass es keinen Grund dafür gibt, sich Sorgen bezüglich dem Konsum aspartamhaltiger Produkte und Krebs zu machen [50].

Mit diesen Worten will ich den Abschnitt Krebs abschließen und mich der häufigen Frage widmen, ob Aspartam den Körper kurz und langfristig vergiftet…

5. Ist Aspartam böse giftige Chemie?

In der Bevölkerung besteht eine große Abneigung gegen „Chemie“. Was dabei die wenigsten zu begreifen scheinen, ist, dass alles um uns herum und auch unser Körper aus Chemie bestehen! Ohne Chemie gebe es kein Essen, kein Luft zum Atmen und kein Leben. Demnach ist Chemie etwas wirklich Tolles!

Wenn es hingegen um das Thema Gift geht, so hilft es sich mit ein paar Grundlagen der Toxikologie auseinander zu setzen. Hier weiß man nämlich, dass ab einer gewissen Dosis jeder Stoff giftig wird, auch Wasser. Für Lebensmittelzusatzstoffe wird hierbei die sog. erlaubte Tagesdosis (ETD, english: acceptable daily intake, ADI) festgelegt, die bei lebenslanger täglicher Einnahme als unbedenklich betrachtet wird. Hier wird übrigens nicht nur die „Giftigkeit“ an sich berücksichtigt, sondern auch alle anderen möglichen negativen Auswirkungen die durch den Konsum eines Stoffes auftreten können.

Für Aspartam liegt die aktuelle erlaubte Tagesdosis laut EFSA, FDA und WHO bei 40-50 mg/ kg Körpergewicht pro Tag. Hier ist übrigens ein zusätzlicher 100-facher Sicherheitszuschlag eingerechnet [49, 51, 52]. Bei einem 80 kg schweren Mann entspricht es in etwa 3600 mg Aspartam pro Tag (45 mg x 80). Da eine Dose Light-Getränk je nach Angaben zwischen 40 und 130 mg Aspartam enthält, müsste man sich also ganz schön ins Zeug legen, um diese Grenzen zu sprengen. Vorher würde man allerdings mit anderen Stoffen Probleme bekommen. Rechnet man das Beispiel für eine herkömmliche originale Coca Cola® Zero durch, die laut Herstellerangaben ca. 43 mg Aspartam pro 330 ml Dose enthält [10], müsste also unser 80 kg Mann ganze 83,7 Dosen oder 27,6 Liter Cola Zero zu sich nehmen, um die erlaubte Tagesdosis auszuschöpfen. Das ist allerdings völlig utopisch, da bei diesen Mengen vorher eine Vergiftung durch die Flüssigkeit an sich oder das darin enthaltene Koffein eintreten würde.

Drüber hinaus schreibt EFSA auf ihren Seiten, dass es überhaupt kein Problem ist, wenn die ETD ab und an überschritten wird. Da allerdings der Konsum für Aspartam in der Bevölkerung weit unter der ETD liegt, muss man sich hierüber keine weiteren Gedanken machen [35].
CAVE: Das Ganze soll natürlich bitte nur als Rechenbeispiel verstanden werden und nicht dazu anregen, mehr Cola zu trinken oder gar ein Experiment durchzuführen – hier appelliere ich an den gesunden Menschenverstand.

Wie werden diese Grenzwerte überhaupt ermittelt?

Die Berechnung erfolgt anhand zahlreicher Studien an Zellen, Tieren und Auswertungen weiterer Studienergebnisse und das über Jahre. Zusätzlich wird ein 100-facher Sicherheitszuschlag draufgepackt. Hier wird also nichts auf die leichte Schulter genommen. Zudem: Wer glaubt, dass Unternehmen extra versuchen lasche Studien durchzuführen und kein Interesse an der Sicherheit der Konsumenten haben, der hat nicht verstanden wie die Marktwirtschaft funktioniert. Wer auf dem Markt langfristig Erfolg haben will, muss dafür sorgen, dass seine Kunden zufrieden sind. Das erreicht man einerseits durch leckere und andererseits natürlich auch durch sichere Produkte. Würden Unternehmen hier patzen, würden nicht nur die Behörden und die Sicherheitsorganisationen sofort Maßnahmen ergreifen, sondern auch die Kunden und Investoren würden handeln. Das würde in kürzester Zeit das Ende eines Konzerns bedeuten.

Nachdem ich hoffe, dass nun so ziemlich jeder verstanden hat, dass es utopisch ist, sich an Aspartam zu vergiften, sofern man es nicht darauf anlegt, will ich noch über ein paar weitere Mythen besprechen.

6. Negative Auswirkungen auf das Nervensystem

Zum Teil basiert dieser Mythos auf der Annahme, dass das bereits besprochene Phenylalanin das Gehirn schädigen könne. Hierfür sind allerdings hohe Konzentrationen notwendig, die beispielsweise im Rahmen der bereits besprochenen erblichen Erkrankung Phenylketonurie erreicht werden können. Bei einem gesunden Stoffwechsel hat man hier nichts zu befürchten, zumal man bedenken sollte, dass Phenylalanin als essenzielle Aminosäure auch in alltäglichen Lebensmittel wie Linsen, Hähnchen uvm. vorkommt.  

Der zweite Stoff, der bei der Spaltung von Aspartam freigegeben wird, ist der Alkohol Methanol. Dieser ist vor allem im Zusammenhang mit verunreinigtem Alkohol bekannt und kann bereits beim Konsum kleinerer Mengen (3,16-11,85 g) zu Blindheit führen [7]. Nun weiß man allerdings, dass auch normale Lebensmittel wie beispielsweise Tomaten Methanol beinhalten und dass sich dies weder auf das Gehirn, noch auf den restlichen Körper negativ auswirkt. Beim Konsum von Aspartam entsprechend der ETD hat der Verbraucher hier nichts zu befürchten und nimmt mit einem Glas Tomatensaft deutliche mehr Methanol zu sich, als mit einer Dose Light-Getränk. Auch das Stoffwechselprodukt Formaldehyd von Methanol fällt nicht in bedenklichen Mengen durch Konsum von Aspartam an [49].

Der dritte Stoff über den wir sprechen müssen, ist die sog. Asparaginsäure. Auch hierbei handelt es sich um kein gefährliches Gift oder eine Säure, die dich verätzen kann, sondern um eine Aminosäure, die wichtige Funktionen im Körper erfüllt. Der Körper kann sie sogar selbst herstellen. Diese kann beispielsweise in Glutamat umgewandelt werden, das als Transmitter in Synapsen deines zentralen Nervensystems fungiert! In hohen Dosen kann Asparaginsäure ebenso wie jeder andere Stoff den Körper schädigen. Derart Große Mengen fallen beim konventionellen Konsum von aspartamhaltigen Produkten allerdings nicht an. Man führe sich folgendes Beispiel vor Augen: Sogar wenn man mit 125 mg Aspartam pro Dose Light-Getränk rechnen würde, so enthält ein normales Hühnerei (55 g) immer noch 13x(!) mehr Asparaginsäure [53].

Das alles klingt plausibel, doch für große Sicherheitsbehörden und die Forschungsgesellschaft, sind derartige Beispiele und Logik an sich nicht ausreichend, um einen Stoff als sicher einzustufen. Zu groß wäre Schaden, wenn man doch etwas übersehen würde. Genau deshalb sind im Laufe der Zeit zahlreiche Studien erfolgt, um sicherzustellen, dass Aspartam das Nervensystem nicht schädigt. Die Auswertung der Ergebnisse in ihrer Gesamtheit folgt allerdings der Logik und zeigt, dass Aspartam im Rahmen eines normalen Konsums das Nervensystem nicht beeinträchtigt [49].

Aber ich bekomme durch Aspartam Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Übelkeit, Hunger, Blähungen…!

7. Aspartamsensitivität

Im Netz existieren zahlreiche Foren und Blogs auf denen Menschen berichten, dass sie sensitiv auf Aspartam reagieren und an diversen Symptomatik hierdurch leiden. Das ging natürlich auch an der Wissenschaft nicht unbemerkt vorbei, weshalb man Studien veranlasste, die untersuchen sollten, ob eine Aspartamsensitivität auch unter kontrollierten Studienbedingungen nachgewiesen werden kann. Zu diesem Zweck rekrutierte man für eine randomisierte Doppelblindstudie einerseits Probanden (n=48), die von sich selbst berichteten sensitiv auf Aspartam zu reagieren und diesen Stoff deshalb mieden und auf der anderen Seite Probanden (n=48), die den eigenen Angaben zu Folge keine Reaktion nach Konsum von Aspartam zeigten. Im Rahmen dieser Studie wurden die Probanden per Zufallen den jeweiligen Versuchsgruppen zugeteilt (randomisiert) und es erfolgte eine Verblindung sowohl der Probanden, als auch der Untersucher. Niemand im Rahmen der Studie wusste also bis zum Schluss, was der Proband gerade konsumiert. Den Probanden wurde entweder ein Müsliriegel mit Aspartam (100 mg) oder ohne (Kontrolle) verabreicht. Geschmackliche Unterschiede konnten in einem Vortest nicht ermittelt werden. Der Riegel musste nach einer 8-stündigen nächtlichen Fastenperiode innerhalb von 5 Minuten konsumiert werden. Die Symptomerfassung erfolgte über 4 Stunden anhand eines standardisierten Protokolls. Zusätzlich wurden Blut- und Urinuntersuchungen vorgenommen. Insgesamt wurden die folgenden 14 Reaktionen/ Symptome erfasst:

  • Kopfschmerzen
  • Stimmungsschwankungen
  • Hitzewallungen
  • Übelkeit
  • Müdigkeit
  • Schwindel
  • verstopfte Nase
  • Sehstörungen
  • Kribbelgefühle
  • Blähungen
  • Hunger
  • Durst
  • Fröhlichkeit
  • Erregung

Ergebnisse: In der aspartamsensitiven Probandengruppe zeigte sich bereits vor Konsum der Riegel ein höheres Stressniveau im Vergleich zur nicht-aspartamsensitiven Gruppe. Insgesamt tendierte die aspartamsensitive Gruppe dazu mehr Symptome sowohl nach Konsum des Riegels mit Aspartam, als auch nach Konsum des Kontrollriegels zu äußern. Einige Probanden der aspartamsensitiven Gruppe äußerten vor allem in der ersten Befragung mehr Symptome, nach Auflösung der Verblindung stellte sich allerdings heraus, dass diese den Kontrollriegel erhalten hatten. Schlussendlich konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt werden und keine Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Aspartam und bestimmten Symptomen hergestellt werden. Auch die erfassten Blutparameter nach Konsum der Riegel unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht [54].

Diese Studie demonstriert recht eindrücklich das, was bereits von Forschern und Mediziner vermutet wurde und nimmt zahlreichen Gurus da draußen nochmals den Wind aus den Segeln: Die Symptome sind für den Patienten real, ihr Ursprung lässt sich allerdings nicht auf den normalen Konsum von Aspartam zurückführen. Nach den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist es demnach unverantwortlich, Menschen die an diversen gesundheitlichen Problemen leiden, einzureden, dass sie keine Produkte mit Aspartam konsumieren dürfen. Hierzu fehlt jegliche wissenschaftliche Basis. Dies wird allerdings häufig gekonnt ignoriert, der Verbraucher verängstigt, um so Coachings oder „Spezialprodukte“ zu verkaufen.
Lasst euch bitte nicht von Gurus in die Irre führen, die behaupten, dass Aspartam für diversen Symptome verantwortlich sei. Sollte das jemand behaupten, dann fragt gerne nach der wissenschaftlichen Grundlage, auf die sich seine Argumentation stütz. Keine da? Dann schnell weg da!

8. Geständnis: Ich habe dir etwas verschwiegen…Diketopiperazine

Im Rahmen meiner früheren Posts auf diversen Social Media Plattformen wurde mir vorgeworfen, dass ich meinen Lesern den “geheimen” vierten Stoff, der im Rahmen der Aspartamspaltung entstehen kann, böswillig vorenthalten hätte. Die Wahrheit ist, dass ich derartige Details in den kurzen Posts nicht als besonders wichtig erachtet hatte. Da ich mit dem aktuellen Beitrag wahrscheinlich sowieso bereits die allermeisten Leser überfordert habe, will ich also auch noch die “bösartigen” Diketopiperazine (DKP) on Top setzen!

Unter bestimmten Bedingungen kann bei der Aufspaltung von Aspartam ein vierter Stoff namens Diketopiperazin entstehen. Hierbei muss man verstehen, dass gewisse Bedingungen (Temperatur, pH-Wert) benötigt werden, damit ein Stoff besonders stabil ist. Im Falle von Aspartam scheint dieses in Getränken nach heutigen Erkenntnissen bei 20 °C und bei einem pH von etwa 4,57 die höchste Stabilität zu erreichen. Weicht man über längere Zeiträume stark von den optimalen Werten ab, kommt es zum Zerfall. Ein Beispiel wäre eine Lagerung im Sommer bei 40 °C. Dabei kann einerseits die Süße verloren gehen und je nach Bedingungen vermehrt die unerwünschten Diketopiperazine gebildet werden. Man darf das Ganze übrigens nicht zu eng sehen, denn das bedeutet nicht, dass die mit Aspartam gesüßte Flüssigkeit unbedingt genau den pH-Wert von 4,57 haben muss. Aspartam ist nämlich ungefähr in der Range von 3 bis 5 am stabilsten, nur das absolute Optimum für diese eine Lösung in der als Quelle angegebenen Studie liegt bei 4,57. Also bitte nicht extrem auf bestimmte Werte versteifen und völlig ausrasten, wenn man herausfindet das die Cola einen pH-Wert von 3,xx aufweist… [55].

Sind Diketopiperazine gefährlich?

Über das Thema „giftige Chemie“ haben wir ja bereits geplaudert und festgestellt, dass einerseits kein Leben ohne Chemie stattfinden könnte und andererseits ab einer bestimmten Dosis jeder Stoff den Organismus schädigen kann, auch Wasser. Theoretisch kann also jeder Stoff ab einer gewissen Dosis gefährlich werden…

Für Diketopiperazine erfolgten unterschiedliche Arten von Studien, um ihre Sicherheit zu testen. Ich werde auf einige eingehen, kann allerdings im Rahmen dieses Artikels nicht jede publizierte und nicht publizierte Untersuchung einbeziehen. Wer sich danach sehnt zahlreiche Studien zu diesem Thema aufgearbeitet zu sehen, der schaut bitte in die äußerst ausführliche Stellungnahme von EFSA zu Aspartam [49].

Akute Toxizität

Hierbei untersucht man die möglichen schädigenden Wirkungen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums (i.d.R. bis 14 Tage) nach Verabreichung einer Einzeldosis einer Substanz auftreten. Als Versuchsobjekte wurde wie so oft Ratten, Mäuse, Kaninchen und Hunde gewählt…

Orale Einnahme (=über den Mund): Man verabreichte den Versuchstieren (Ratten, Mäuse, Kaninchen) bis zu 5000 mg/kg Körpergewicht DKP. Ergebnis: Keine Auffälligkeiten in Bezug auf das Verhalten der Tiere und keine Todesfälle innerhalb von 7 Tagen nach Gabe.

Injektion/ Infusion: Ratten (bis zu 2033 mg/kg) und Mäusen (bis zu 1000 mg/kg) wurden DKP intraperitoneal (ins Bauchfell) verabreicht.
Hunde und Mäuse im Rahmen eines anderen Versuchs bekamen jeweils 100 mg DKP direkt über die Vene.
Ergebnis: Auch in diesen Versuchen kam es zu keinen Auffälligkeiten im Verhalten der Tiere. Es traten darüber hinaus keine Todesfälle innerhalb der intraperitonelen Gruppe innerhalb von 7 Tagen nach Injektion und auch keine in der intravenösen Gruppe (Beobachtung bis 72 h nach Injektion) auf [49].

Natürlich wollten die Wissenschaftler auch wissen, was passiert, wenn man die Versuchstiere über längere Zeiträume mit Diketopiperazinen füttert.

Chronische Toxizität

Hierbei untersucht man die möglichen schädigenden Wirkungen, die bei Versuchstieren als Ergebnis wiederholter täglicher Verabreichung oder Exposition gegenüber einer chemischen Substanz auftreten.

In unterschiedlichen Studien wurden den Tieren DKP entweder direkt oral verabreicht oder aber ins Futter beigemischt.
So testete man das Ganze einerseits an Ratten und Mäusen, indem man diesen oral Dosen von bis zu 1000 mg/kg Körpergewicht pro Tag für 2 Wochen verabreichte. Andererseits mischte man Diketopiperazine im Rahmen einer anderen Untersuchung Ratten ins Futter und zwar Mengen von bis zu 6000 mg/kg Körpergewicht pro Tag und das für 5 Wochen…

Die Auswirkungen? Keine Auffälligkeiten, die in Verbindung mit Diketopiperazinen gebracht werden konnten. Keine Todesfälle, die auf DKP zurückgeführt werden konnten [49].

Aber was ist mit Genotoxizität? Können Diketopiperazine meine DNA verändern?

Natürlich wurde auch das untersucht und das sowohl in vitro (im „Reagenzglas“) als auch in vivo (am lebendem Organismus).
Nach zahlreichen Tests fielt allerdings lediglich in einer Studie auf, dass wenn man Mäuse mit Dosen von 2000 mg/kg Körpergewicht vollstopft, es dann zu einer Veränderungen der Knochenmarkszellen kommen kann [49].

Applaus…es war zu erwarten, dass ab einer bestimmten Dosis „Nebenwirkungen“ auftreten werden.

Natürlich wird man zu DKP auch Studien finden, die negative Effekte zeigen. Es ist nun mal so, dass wenn man die Perversion immer weiter treibt und immer größere Dosen verabreicht, irgendwann unerwünschte Effekte in Erscheinung treten. Was man sich allerdings fragen sollte ist folgendes: Hat das eine Relevanz für meinen Alltag? Ist es denkbar, dass ich derart exorbitante Mengen an falsch-gelagertem Aspartam konsumiere?
Wenn man es nicht darauf anlegt, dann ist es doch äußerst unwahrscheinlich, dass man sich freiwillig mit so enormen Mengen vollstopfen wird. Darüber hinaus fallen Diketopiperazine bei einer vernünftigen Nutzung und Lagerung von mit Aspartam gesüßten Produkten nicht im bedenklich großen Stil an. Aspartam wird heutzutage in der Regel für das Süßen kalter Getränken verwendet. Das hat den Hintergrund, dass es bei höheren Temperaturen nach und nach durch Zerfall seine Süße und damit seinen Sinn verliert. Die im Handel erhältlichen Flüssigsüßstoffe fürs Backen enthalten i.d.R. kein Aspartam, sondern hierfür geeignetere Stoffe. Die Industrie weiß also darüber Bescheid, dass Aspartam eine Sonderbehandlung mag.

Aktuell gibt es demnach keinen Grund sich um Diketopiperazine im Zusammenhang mit Aspartam den Kopf zu zerbrechen, schon gar nicht sofern man sich an den Grenzwert von 40-50 mg Aspartam pro kg Körpergewicht pro Tag hält. Diesen schöpft man bei normalem Konsum keineswegs aus [49].

Schlusswort 

Das Ziel dieses Artikel war es, den einen oder anderen Mythos um das das Thema Aspartam unter die Lupe zu nehmen und Verbraucher zum kritischen Denken anzuregen. In meinen Augen kursieren zu viele Beiträge im Netz, die nur dazu dienen durch das Schüren von Ängsten Aufmerksamkeit zu erregen und/oder Produkte bzw. Dienstleistungen zu vermarkten. Das hinterlässt bleibende Schäden in der Gesellschaft und das kann ich als Mediziner nicht gut heißen.

Demnach: Wenn mal wieder ein provokanter Zeitungsartikel, Blogbeitrag oder auch ein YouTube-Video in den Schlagzeilen kursiert, lohnt es sich kurz inne zu halten und sich zu fragen: Welche Intention steck dahinter? Auf welchen Daten basieren die Behauptungen und wie wurden diese erhoben? Spielen die Autoren nur mit meinen Ängsten oder steckt wirklich etwas dahinter?

Cheers Mischa

Interessenskonflikt
Zum Zeitpunkt der Artikelveröffentlichung wurde weder Mischa Kotlyar noch sein Blog durch Sponsoring oder sonstige Gelder oder Produkte unterstützt. Falls im Artikel Marken erwähnt wurden, so diente das einem auf den Alltag übertragbarem Beispiel. Es handelte sich dabei nicht um Werbung und soll keinesfalls zum Konsum bestimmter Markenprodukte anregen.

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